Maya and Aztec

Ancient Mesoamerican civilizations






Azteken an die Front

Category: Alt-Mexico und seine Kunst

Mit nicht weniger als 42 Ortshieroglyphen, darunter die „Binsenstadt“ Tollan, ist das Herumirren der heimat­suchenden Azteken angegeben. Chapultepec, der Hügel inmitten des fischreichen Sees von Texcoco, war zuerst ebenfalls nur eine vorübergehende Bleibe. Beneidet und bekriegt von allen anderen Stämmen, wurde diesem Aufenthalt schnell ein Ende gesetzt. König Coxcox aus Colhuacän besiegte mit seinem Heer die Azteken. Für viele Jahre fristeten die Unterlegenen ein Sklavendasein. Erst als zwischen Colhuacän und Xochimilco ein Krieg ausbrach, schickte Coxcox seine Sklaven als Söldner an die Front; und sie bewährten „Mexico“. Als Beweis ihrer Tapferkeit schnitten sie den Kriegern von Xochimilco die Ohren ab und brachten diese in vollen Säcken ihrem Auftraggeber. In der Bilderschrift entbehrt diese makabre Szene keines­wegs einer gewissen Komik.

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Vor dem König Coxcox von Colhuacän steht der bewußte Sack, er deutet darauf und fragt nach dem Inhalt. Die nächste Szene gibt darüber Auskunft. Entsetzt über das unschickliche Gebaren der Barbaren kehrt der König ihnen aus Abscheu den Rücken. Doch ihren vereinbarten Lohn für diese Unter­stützung, die Freiheit, erhalten die Azteken zurück. Kaum auf freiem Fuße – so zeigt die Bilderschrift – brechen zwei mit Obsidianmessern bewaffnete Krieger auf, um im ganzen Hochtal von den kriegerischen Heldentaten zu erzählen und den anderen Stadtstaaten die Talente ihres Stammes anzubieten. Hier bricht die „Tira de la Peregrination Mexico“ ab. Der restliche Teil der Bilderschrift existiert nicht mehr. Sein Inhalt ist jedoch in einem Manuskript der Aubin Goupilschen Sammlung erhalten, ln aztekischer Sprache mit lateinischen Lettern wurde es kurz nach der Eroberung niedergeschrieben.

„Der Wolf im Schafspelz“

Wie weit diese Episoden auf Tatsachen beruhen, läßt sich schwerlich sagen; fest steht, daß die Azteken ihrer  kriegerischen Fähigkeiten, ihrer Grausamkeit und ihres blutigen Kultes wegen von den anderen Stämmen gefürchtet waren. Immer mehr offenbarte sich dieses kleine Volk als „Wolf“, der sich im Schafspelz in eine friedliche Herde eingeschlichen hat. Die Anmaßung erreichte ihren Höhepunkt, als die Azteken zur Errichtung einer eigenen Herrscherdynastie Coxcox um eine Tochter baten. Der König kam der Bitte nach, doch als die Azteken seine Tochter einem anderen Zweck zuführten, nämlich sie ihrem Stammesgott opferten, und den Vater zu dieser Feierlichkeit einluden, war das Maß voll. Der König von Colhuacän rief zum Kampfe gegen die „Mörder“ seines Kindes auf. Die Azteken wurden geschlagen und flohen auf eine Insel inmitten des Sees. Sie teilten sich den Platz mit einem anderen und älteren Gemeinwesen, Tlatelolco, das nahezu 150 Jahre lang seine Unabhängigkeit in der unmittelbaren Nachbarschaft dieser wilden Krieger behaupten konnte. Die Grün­dung der aztekischen Hauptstadt wird in der Geschichte der „Königreiche von Colhuacän und Mexiko“ nur kurz erwähnt: „Im Jahre 8 Kaninchen (1318) war der Anfang dort in Mexico-Tenochtitlan. Vorerst noch wenige Hütten bauten die Mexitin (Azteken)“ (Die mexikanische Zeitrechnung erschwert es ungemein, weit zurückliegende Jahre zu bestimmen, sich alle 52 Jahre die gleichen Kombinationen zwischen Zahl und Ziffer wiederholen. Das Jahr „8 Kaninche kann 1318, 1370 (was hier wahrscheinlich ist) oder auch 1422 bedeuten).

Wie die Gründung Roms, so ist auch die der mexikanischen Hauptstadt in das Reich der Sage gerückt. Fast nichts Historisches ist überliefert. Als junge EmporkömmJinge inmitten der geschichtlich viel älteren Stämme hatten die Azteken guten Grund, ihre nur so kurz zurückreichende Vergangenheit im Hochtal zu verschleiern.

Der Häuptling Tenoch, der als Gründer der Stadt ihr angeblich den Namen gab, wird in seiner geschichtlichen Existenz von vielen Historikern angezweifelt. Die alten Quellen sind sich nur darüber einig, daß das Gebiet zu einem der ärmsten im ganzen Hochland zählte. Mit dem Aufbau der Stadt leisteten die Azteken zweifellos eine Pioniertat und entwickelten neben den kriegerischen auch technische Fähigkeiten zu einer für die indiani­sche Rasse ungewöhnlichen Höhe. Um mehr Ackerland zu gewinnen, legten sie künstliche Inseln an, die Chinampas. In späterer Zeit erscheinen diese aus Rohrgeflecht gefertigten künstlichen Felder auch in den Tributlisten der Azteken (Chinampas sind künstliche Felder aus Rohr- oder Weidengeflecht, die, mit Erde aufgeworfen, im Süßwass« see verankert sind. Dieses System hat sich bis heute in Xochimilco erhalten. Von dort aus wird die moder Stadt mit Gemüse und Blumen versorgt. Für die Azteken, denen wenig Ackerland übrig blieb, waren die schwimmenden Felder, die zwei bis drei Ernten im Jahr gewährleisteten, die einzig mögliche Lösung.).


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