Maya and Aztec

Ancient Mesoamerican civilizations






Cholula, die größte Pyramide der Welt

Category: Alt-Mexico und seine Kunst

Geographisch zwischen Teotihuacan und der Metropole der Zapoteken gelegen, befindet sich das größte Bau­werk der Menschheit, wenn man den Rauminhalt als Maßstab anwendet. Es zeigt sich heute als überwachsener Hügel, auf dem eine kleine katholische Kirche steht, und doch sind über 4 Millionen Kubikmeter Baumaterial, mehr als die Erbauer der ägyptischen Cheops-Pyramide verwendet haben, im Laufe von Generationen an der Pyramide von Cholula verbaut worden. Der Ort war zur Eroberungszeit noch ein wichtiges religiöses Zentrum, und das Blutbad, das Cortes auf seinem Marsch nach der aztekischen Hauptstadt Tenochtitlan hier anrichtete, lassen selbst die 365 Kirchen dieses kleinen Städtchens nicht mehr vergessen.

Cholula am Fuße des erloschenen Vulkans Popocatepetl, dürfte von der vorklassischen über die klassische Zeit hinweg bis zum Zusammenbruch der indianischen Kultur (1521) ununterbrochen eine bedeutende Stellung innegehabt haben. Es liegt an den wichtigsten Verbindungswegen, die vom Hochtal zur tropischen Golfküste durch das kleine Plateau führen. Erste handgreifliche Zeugen einer menschlichen Gemeinschaft sind kleine „pretty ladies“, nahe Verwandte der gleichaltrigen Tonfiguren des Hochtals, nur lassen sie das plastische Fingerspitzengefühl ihrer Nachbarn vermissen. Im großen gesehen, stehen sie stilistisch den „schönen Damen“ von Cuicuilco am nächsten. Die Vorliebe für die sanften Rundungen der olmekischen Plastik wie der graziösen Tlatilco-Ware fehlt ihnen ganz (Abb. 11).

In der theokratischen Zeit wurde unter dem Einfluß von Teotihuacan das zentrale Bauwerk dieser Stätte errich­tet und mehrere Male erweitert. Mindestens fünf zeitlich weit auseinanderliegende Bauetappen weist die Pyra­mide auf. Fast sechs Kilometer lang sind die Gänge im Inneren, die bis heute freigelegt werden konnten. Die Wände zeigen Todessymbole im Stil der mixtekischen und aztekischen Kultur. Ihr künstlerischer Wert steht meilenweit hinter dem der Fresken von Teotihuacan zurück.

Die Pyramide von Cholula sowie alle anderen mexikanischen haben mit ägyptischen Pyramiden nur den Namen gemein. Während in Ägypten die Pyramiden als Grabanlage für Könige erbaut worden sind, fand sich in Mexiko trotz intensivster Grabungen nur in Palenque, einer Stadt der klassischen Maya-Kultur, das Grab eines hohen Würdenträgers im Innern der Pyramide. Die mexikanischen Pyramiden dienten – mit der Ausnahme von Palen­que, die die Regel bestätigt – als Unterbau für Tempel und Altäre.


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