Maya and Aztec

Ancient Mesoamerican civilizations






Cortes und Quetzalcoatl

Category: Alt-Mexico und seine Kunst

„Aber in Tollan ist von der Zeit an keine Ruhe mehr,“ berichten die Schreiber im Codex Chimalpopoca (Codice Chimalpopoca (Anales di Cuauhtitlan Y Leyenda de los Soles, Mexiko 1945).). Die Furcht vor der Wiederkehr Quetzalcoatls ängstigte noch Jahrhunderte später die Azteken. Nach Sahagün soll Moctezuma zu Cortes gesagt haben: „Ich war bekümmert die ganze Reihe von Tagen, wo ich nach dem unbekannten Lande schaute, aus dem du gekommen bist, dem Land der Wolken, dem Land des Nebels, denn das haben uns die Könige, meine Vorfahren, gesagt, daß du kommen wirst, deine Stadt zu besuchen, daß du dich auf deinen Thron setzen wirst, daß du wiederkehrst.“

Als Cortes im Todesjahr Quetzalcoatls, ce acatl („1 Rohr“), das auch sein Geburtsjahr war (Im Gegensatz zum Kalender der Maya, der von einem fixierten Datum ab alle Tage fortlaufend zäh kannte der mexikanische Kalender nur einen Zeitraum von 52 Jahren, zusammengesetzt aus zwanzig Zeicl und dreizehn Ziffern.), an den Gestaden Mexikos landete, schien die Weissagung eingetroffen zu sein. Wie recht sollte der alte Chronist behalten. Der aztekische Thron verwaiste. Gleich einem Intriganten der klassischen Tragödie spielte Cortes die Rolle als Morgensterngott so lange, bis die Fäden zu verwirrt waren und für die Getäuschten kein Ausweg mehr blieb.

Doch bis zum mexikanischen Jahr ce acatl sollten der Hausrat noch oft zertrümmert und die Feuer noch viele Male gelöscht werden. Die Azteken erscheinen auf der Bühne Mexikos erst Jahrhunderte später. Der toltekische Herrscher Quetzalcoatl, „er, den die Alten den großen König nennen,“ ist nicht identisch mit dem Gott gleichen Namens.

Der Gott Quetzalcoatl

Der mexikanische Gott Quetzalcoatl wird oft mit europäischen Ideen in Verbindung gebracht. Es werden Hypo­thesen leichtsinnig ausgesprochen, die die Wikinger, gestrandete Kreuzritter, irische Mönche, ja sogar den Apostel Sankt Thomas mit ihm in Einklang bringen wollen. In jüngster Zeit „fand“ ein Autor sogar, daß der „weiße Gott“ von Mykene nach Amerika herübergekommen sei. Alles das ist Unsinn. Quetzalcoatl, der bei der Geburt seine Mutter vier Tage lang quälte bis sie starb, der die Menschen lehrte, Mais zu säen und Gewänder zu weben, ist eine mexikanische Gottheit. „Vierfach waren seine Häuser, die er baute, sein Türkisbalkenhaus, sein Muschelhaus und sein Quetzalfedernhaus. Und seine Opfer bestanden aus Schlangen, Vögeln und Schmet­terlingen, die er tötete. Und dort schrie er hin, nach dem Ort der Zweiheit, nach dem neunfach übereinander­geschichteten Himmel. Und er befand sich auf einer Edelstein matte, einer Quetzalfedern matte.“ Eine solche Gottheit entstammt ohne Zweifel indianischem Boden und indianischem Geist. Erst in späterer Zeit wurde er nach dem Vorbild einer ursprünglich historischen Persönlichkeit abgewandelt. (Ähnliche Glorifizierungen historischer Persönlichkeiten kennt jede Welt-Religion.)

Die große Schwierigkeit zum Verständnis der alt-amerikanischen Religion im allgemeinen und der aztekisehen, die auf die der toltekischen und noch älterer Kulturen aufbaut, im besonderen, ergibt sich aus der Vielseitigkeit der Göttergestalten. Der Kampf der Götter spiegelt zweifellos einen geistigen wie auch sozialen Kampf zwischen den mit ihnen verbundenen Ideen ihrer Anhänger wieder. Die Götter und deren Kult werden von einer bestimmten Elite propagiert, um sich damit die Macht zu sichern. In ihr Wesen und ihre Gestalt fließen die Anschauungen wie die Erfahrungen dieser schöpferischen Elite ein. Kompromisse mit anderen Ideen sowie die jahrtausendalte Tradition ließen in Mexiko in ein und derselben Figur für unser Denken oft konträre Wesenszüge miteinander verschmelzen. Der christliche Grundgedanke von nur guten und nur bösen Mächten ist dem Indianer fremd. Wie in der Natur, deren abstrahiertes Symbol die Götter sind, und wie auch im Menschen selbst, so wohnt das Unberechenbare, die Katastrophe, auch in den wohlwollendsten Gottheiten. Quetzalcoatl bietet ein Musterbeispiel für die Doppelgesichtigkeit der alt-amerikanischen Götter. Geheimnisvoll und unergründlich ist sein Wirken für Uneingeweihte; die Eingeweihten jedoch, die Priester, verstanden es, oder erweckten zumindest den Anschein, die bösen Mächte, die in den Göttern wohnten, in Schach zu halten. Aus dieser „Notwendigkeit“ heraus kam es im Laufe der Zeit zu immer größeren Opfern, so daß selbst Quetzal­coatl, dem Verächter des Menschenopfers, in Notzeiten Menschen geopfert wurden. Während bei den Tolteken Menschenopfer noch verhältnismäßig selten waren, stiegen sie bei den Azteken erheblich an.


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