Maya and Aztec

Ancient Mesoamerican civilizations






Die breiteste Treppe der alten „Neuen Welt“

Category: Alt-Mexico und seine Kunst

Ursprünglich scheinen auf dem Hügelzug nur wenige Bauwerke gestanden zu haben. Erst im Laufe der Jahr­hunderte ist der Berg eingeebnet worden und zu dieser gewaltigen Anlage gewachsen. Im Norden wie im Süden wird der 700 Meter lange und 250 Meter breite Platz von den größten Baukomplexen eingerahmt. Der Tempel der Nordseite erhebt sich auf einer 50000 Quadratmeter großen Plattform, und seine 43 Meter breite Treppe, die breiteste Altamerikas, fließt harmonisch in den Platz. Fragmente von zwölf aus Bruchsteinen gemau­erten Säulen trugen einst das Dach dieser Galerie. An der westlichen Längsseite stehen die Bauwerke dicht beieinander und sind nur mit eindrucksvollen Treppenfluchten belegt, östlich gegenüber sind drei größere Baukomplexe errichtet, die den Platz abschließen.

Sie heben die Symmetrie auf und lassen die Anlage gerade deswegen noch reizvoller erscheinen. In der Mitte der „plaza“ stehen isoliert das alte Bauwerk Monticulo J und drei später entstandene Gebäude, die nach der Achse ausgerichtet sind. Montfculo J diente als Observatorium. Sein Grundriß läuft in einen spitzen Winkel aus; damit unterscheidet es sich von all den anderen Bauwerken, die einen quadratischen oder rechteckigen Grundriß besitzen. Es ist eines der ältesten, wenn nicht sogar das älteste Bauwerk überhaupt. Die gesamte spätere Anlage ging von ihm aus und nahm das „Überbleibsel der Vergangenheit“ liebevoll in seine Mitte. Monte Alban wurde so zu einem gewaltigen Amphitheater, das sich nur durch seine rektanguläre Anlage von dem der Antike unterscheidet. Die glatten Stuckfassaden, die Teotihuacan so perfektioniert erscheinen lassen, liebten die Erbauer von Monte Alban nicht. Ihre Pyramidenplatt­formen sind aus roh gearbeiteten Steinen und mit sonnengetrocknetem Lehm errichtet; waren ihre Ahnen doch „geboren von Fels und Klippen“.

Die Reliefs der „Tänzer“

Die Zapoteken, die so gut mit Steinen für Tempel und Treppen umgehen konnten, zählen eigenartigerweise zu den schlechtesten Bildhauern Mexikos. Ihre mit Hieroglyphen beschrifteten Stelen stehen im Schatten der kunstvolleren der Maya-Kultur (Abb. 113,114). Lediglich die sogenannten „Danzantes“ (Tänzer) sind mit un­glaublicher Kühnheit im Strich mit Steinwerkzeugen in planierte Steine gezeichnet und haben eigenständigen künstlerischen Wert. Das Volk, das die 155 „Tänzer“ schuf – von mehr als zwei Dritteln haben sich nur Frag­mente erhalten – konnte nicht als das zapotekische identifiziert werden (Abb. 110 und Textabbildungen). Be­gleitende Keramik sowie der Stil der Reliefs weisen zur Golfküste, zur La Venta-Kultur hin.

Das Lieblingsmaterial der Zapoteken war der Ton, und aus Ton schufen sie ihre eigenwilligsten und persön­lichsten Werke, die sogenannten „Bildurnen“. Der Begriff Urne ist wahrscheinlich falsch, denn noch nie hat ein Archäologe in diesen zylinderförmigen Gefäßen menschliche Überreste gefunden. Sie sind nicht die ältesten Zeugen des Landes und seiner Kultur. Wie in anderen fruchtbaren und dicht besiedelten Plätzen, so läßt sich auch für Oaxaka und den Monte Alban als sein geistiger Mittelpunkt das Auf und Nieder am deutlichsten in den keramischen Grabbeigaben ablesen.


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