Maya and Aztec

Ancient Mesoamerican civilizations






Die Huaxteken und ihr Totenkult

Category: Alt-Mexico und seine Kunst

Als „Trunkenbolde“ und „Zauberer“ waren die Huaxteken bei den Azteken verschrien. Für fast 3000 Jahre bildeten die nordöstlichen Nachbarn der Totonaken eine Einheit. Erst kurz vor der spanischen Eroberung kamen sie unter die Tributherrschaft der Azteken. Ihre Sprache sowie viele vorspanische Sitten bewahrten die Huax­teken noch bis in unsere Tage. In manchen Gegenden der Huaxteca zum Beispiel werden die Toten noch heute mit Sandalen „auf den Weg geschickt“. Die „Jicara“, eine große Schale, soll helfen, den Fluß zu überqueren. Auch vergessen die Hinterbliebenen nicht, den Toten die Verpflegung für die lange Reise mitzugeben sowie eine Handvoll Maiskörner beizulegen, die dazu dient, die Truthühner abzulenken, die der Mythologie nach den Verstorbenen den Weg zu versperren trachten. Eine andere Sitte, ebenfalls noch in unserem Jahrhundert beobachtet, bildet eine ethnologische Brücke zu dem einzigen noch nicht christianisierten Indianerstamm der Lacandonen, die zurückgezogen in den Urwäldern von Chiapas und Pet6n leben. Wie die Huaxteken benützen sie das Wasser, womit den Toten die Füße gewaschen wurden, um „tamales“ (Maiskuchen) zu bereiten, die die Hinterbliebenen dann unter die Trauergäste verteilen.

Huaxteken, ein Mitglied der Maya-Familie

Neben ethnologischen Übereinstimmungen bestätigt auch die linguistische Forschung den Huaxteken ihre Verwandtschaft mit der großen Familie der Maya-Völker. Die Absplitterung erfolgte bereits sehr früh, etwa zwischen dem 8. und 5. Jahrhundert v.d.Z., durch ein aus dem Hochland zur Küste vorstoßendes Volk, das sich wie ein Keil zwischen die beiden Gruppen schob. Während die Mutterkultur im Süden einen großen wissen­schaftlichen Aufschwung erlebte, blieben die Huaxteken noch lange Zeit auf der archaischen Stufe stehen. An der Entwicklung der Hieroglyphenschrift sowie der Kalenderwissenschaft nahmen sie nicht teil. Typische architektonische Elemente der Maya wie das „falsche Gewölbe“ fanden nicht mehr den Weg zu den Zurückge­bliebenen. Gleich Inselbewohnern formten die Abgesplitterten allmählich eine eigene Kultur und verarbeiteten fremde Einflüsse, die von außen kamen, nur am Rande. Die Huaxteken, dieses Volk ohne große Ambitionen, entwickelten in der Kunstgeschichte einen eigenen Stil und bewahrten ihn nahezu über drei Jahrtausende hinweg. „Olmekische“, totonakische, mixtekische sowie toltekische Elemente sind in den verschiedenen Kultur­phasen (Pänuco 1 bis VI lautet die archäologische Gliederung) nur geringfügig sichtbar. Dagegen zeigen sich huaxtekische Ideen, die durch den Handel und nicht durch eine kriegerische Expansion Verbreitung erlangten, im Valle de Mexico. Vor allem in der Religion wirkten die Huaxteken auf die aus dem Norden einwandernden Nahua-Stämme (Nach alten Aufzeichnungen der Spanier haben sie ihren Namen nach einem Häuptling namens Cuextecatl erhalten.).

Die Götter der Huaxteken

„Sie, unsere Mutter,

Kam von Tamoanchan,

Sie, unsere Mutter, kam von dorther,

Sie, die Göttin Tlazolteotl“.

Als Göttin des Unrats, vielleicht, weil man bei ihr die Sünden ablud, aber auch als Göttin der Fruchtbarkeit ist Tlazolt6otl in den sakralen Büchern der alten Mexikaner geführt. Eine Kopfbinde aus Baumwollstoff, Strähnen gesponnener Baumwolle in den durchstochenen Ohren und eine Spinnwirtel im Haar weisen auf ihre Heimat, das an Baumwolle reiche Land der Huaxteca (Nach einer anderen Überlieferung bedeutet Huaxteca „das Rad“, gemeint ist damit der fächerförmige Kopfschmuck aus Palmblättern und Federn, den die vornehmen Damen und Göttinnen dieser Region getragen haben.). Die Azteken beichteten Tlazolteotl, der „Dreckfresserin“, den Ehebruch und erhofften von der Göttin die Absolution ihrer (weltlichen) Sünden.

Mit der Göttermutter Teteoinnan (wörtlich „die Götter ihre Mutter“, teo-tl = Gott, teteo == Götter, in = 3. Pers. Plural, nan-tli = Mutter), die mit Tlazolteotl identisch ist, stiegen die junge Maisgöttin Xilomen, die Göttin der Liebe und der Blumen, Xochiquetzal, sowie der Pulquegott Ometochtli („2 Kaninchen“) auf das Hochplateau und fanden ihren Platz im Pantheon der Azteken. Der Schöpfergott vieler Stämme, Quetzalcoatl, der als Wind­gott Ehecatl ebenso Verehrung fand, verdankt den Huaxteken viele seiner wesentlichsten Attribute, vielleicht sogar seine Urform. Mit seinem Kult hing aufs engste die Verbreitung der Rundbauten in der gesamten mexika­nischen Architektur zusammen. In Cempoala wie in Calixtlahuaca (Abb. 202), in Malinalco wie in Quiengola entstanden dem Windgott zu Ehren solche Tempel. Die runden Pyramidenplattformen von El Ebano (San Louis Potosi) sind möglicherweise sogar ebenso alt wie die Anlage von Cuicuilco.

Archäologisch ist die Huaxteca nur oberflächlich durchstreift und wird in Zukunft sicher noch einige Über­raschungen bringen. In Tantoc, unweit von Tamuin, warten noch zwei Pyramiden auf die Ausgräber, von denen eine sogar die Sonnenpyramide von Teotihuacan sowohl an Höhe wie auch an Ausmaß übertreffen soll. Eine alte, und in diesem Fall oft angezweifelte Überlieferung, wonach „die Siedler vom Rio Pänuco, die in Tamoan- chan wohnten, es unternommen haben, die Sonnen- und Mondpyramide in Teotihuacan zu errichten“ (Saha­gün), findet möglicherweise durch die Ausgrabung noch eine Bestätigung.

Architektur

Palmen, Baumstümpfe, Flußsteine und gebrannter Lehm bildeten das gebräuchliche Rohmaterial für die Errich­tung von huaxtekischen Tempelplattformen, Ballspielplätzen, Häusern und Höfen. Wie in Teotihuacan war das kultische Zentrum mit Kalkpflaster, hier an der Küste ausMuschelkalk gewonnen, ausgelegt und mit leuchtenden Farben bemalt. Fresken zierten Altäre; weiteres läßt sich noch nicht beschreiben, denn noch warten alle Anlagen dieser Ära auf eine gründliche Untersuchung, die das Bild erst abrunden kann.

Steinplastik

Kein Gebiet in Mexiko, und sei es noch so weit von der Zivilisation entfernt, wird nicht durch den gelegentlichen Besuch von Grabräubern aufgescheucht. Die gefundenen Beigaben wandern in Privatsammlungen und auslän­dische Museen. Vereint mit den offiziellen Funden läßt sich dann das äußere Bild einer Kultur rekonstruieren. In der Steinplastik wie in der Keramik haben es die Huaxteken fast über 3000 Jahre hinweg verstanden, ihrem eigenen Stil treu zu bleiben. Sie meiden die barocke Überschwenglichkeit ihrer südlichen Nachbarn und um­gehen das Pathos der angrenzenden Hochlandstämme. Selbst ihre lebensgroßen Skulpturen entziehen sich jeder Aufdringlichkeit und halten an einer eigenwilligen, stillen Schönheit fest. Aus einer rhythmischen Folge von fast flachen Elementen entstand unter den Händen huaxtekischer Steinmetze die plastische Einheit einer ausge­wogenen Skulptur, die das Statische bevorzugt und auf die Rundplastik verzichtet. Im Gegensatz dazu stehen die bewegten Szenen der Reliefs und die mehr „gezeichneten“ als gemalten Fresken. Durch die Anordnung der Figuren erinnern sie einerseits an die von Mitla, durch ihren virituos skizzenhaften Charakter andererseits an die bemalte Maya-Keramik der Tepeu-Periode. Es ist eine „kubistische“ Malerei. Auch auf Vasen findet sich hin und wieder dieser eigenartige, so nah an die Abstraktion herangetragene Stil (Abb. 184).

Wie im übrigen Mexiko sind die Motive ausschließlich religiöser Natur. Während die Keramik sich durch drei Jahrtausende von der archaischen Fruchtbarkeitsgöttin zu „volkstümlichen“ Gefäßen in Form korpulenter Frauen und zoomorpher Geschöpfe entwickelte, gibt dagegen die Steinplastik komplizierte religiöse Vorstel­lungen wieder. Eines der Monumente, heute im Brooklin-Museum New York, zeigt von vorn einen jungen, schönen Gott mit edlen menschlichen Zügen. Auf der Rückseite ist er als Skelett gebildet, an dem die wichtigsten inneren Organe deutlich erkennbar sind. Nach Herbert J. Spinden verkörpert dieses Werk die Apotheose Quetzalcoatl’s als Morgenstern (Abb. 179, 180). Andere Darstellungen dieser Gottheit bei ihren kultischen Handlungen sind auf Muschelschalen eingeritzt, Anhänger hoher Würdenträger, die sich in den Gräbern der feuchten Küste erhalten haben. Die kunstvolle Gravierung der Muschel-Zierarten hat ihr Pendant – weniger im Stil als in der Kunstfertigkeit – in den Knochenschnitzereien der Mixteken (Abb. 181).


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