Maya and Aztec

Ancient Mesoamerican civilizations






Die öffentlichen Schulen

Category: Alt-Mexico und seine Kunst

Im 12. Lebensjahr bekamen die jungen Azteken die volle Portion von zwei Maiskuchen, und mit etwa 15 Jahren (nach dem Codez Mendoza, andere Chronisten sprechen von einer früheren Alterstufe) vertrauten die Eltern ihre Kinder einer öffentlichen Schule an. Dabei gab es je nach Temperament und Charakter zwei Möglichkeiten: die „telpochcalli“ (Haus der Jugend), eine Art von Bürgerschule, und die „calmecac”, die sich etwa mit den Klosterschulen unseres Mittelalters vergleichen ließen. Die letztere stand gewöhnlich nur Kindern der höheren Klassen offen. Ausnahmen bestätigen die Regel, da wir von hohen Priestern Kenntnis haben, „die ohne Rücksicht auf ihre Herkunft“ zu diesen Ämtern aufgestiegen sind und zweifellos im „calmecac“ die Grundlage für diese Tätigkeit erlernten. Im Gegensatz zur „Bürgerschule“, deren Leitung erprobten Kriegern anvertraut war, ist die Erziehung in den „Klosterschulen“ sehr hart gewesen und stellte hohe Ansprüche an die Schüler. Als Belohnung winkten später hohe Ämter in Staat und Kirche.

Selbst in diesem Schulsystem zeigt sich der Dualismus, der die altmexikanische Religion und ihre Denkungsat prägt: der Quetzalcoatl-Tezcatlipoca-Konflikt. Die Kinder der „calmecac“ sind Quetzalcoatl geweiht worden die der „telpochcalli“ Tezcatlipoca. Dieser gegensätzlichen Auffassung, dort Wissen und Selbstbeherrschung hier Abenteuer, Krieg und Macht, war bereits der junge Mexikaner ausgesetzt. Während strenges Fasten Selbstkasteiungen und Enthaltsamkeit die wesentlichsten Punkte der Erziehung in den religiösen Schulen aus machten, vergnügten sich die jungen Krieger nach Sonnenuntergang „mit Gesang und Tanz, in Gesellschal junger Frauen“, den auianime (Freudenmädchen), die ihr Leben auflockerten. (Sahaguns Entrüstung über da Leben im „telpochcalli“ ist verständlich. „Sie führen kein anständiges Leben, unterhalten sie doch Kurtisanen reden leichtfertig und ironisch daher und drücken sich anmaßend und hochmütig aus.“) Der Gegensatz in de Erziehung ist wieder durch die Vermischung der verschiedenen altmexikanischen Kulturelemente zu erklären Beim „calmecac“ handelt es sich um das geistige Erbe der Tolteken, also der Seßhaften, während das „telpoch calli“ die kriegerischen Eigenschaften der Nomadenvölker wieder aufleben ließ. Für den Staat war diese Gegensatz sekundär, vielleicht sogar gewünscht, denn es lag ihm ja nur an der Ausbildung fähiger Untertanen.

Die gesellschaftliche Struktur

Die komplizierte Gesellschaftsstruktur der Erwachsenen gleicht einer Stufenpyramide mit zahlreichen Absätzer An oberster Stelle residierte der tlatoani, „er, der spricht“, und hatte uneingeschränkte administrative wi richterliche Gewalt (Tlatoani (von tlatoa = sprechen) wurde nach Alonso de Zorita angeblich auch für Fürsten untergeordnet« Ranges angewandt.). Als nach der spanischen Eroberung der „Sprecher“ verstummte, kam vom Volk nu noch ein Raunen. Über die Prachtentfaltung der aztekischen Herrscher des 16. Jahrhunderts haben wir bereit von Augenzeugen gehört, wenden wir uns also der nächst tieferliegenden Gesellschaftsklasse zu.

Noch zur Zeit der Einwanderung in das Hochtal unterschied sich das aztekische Gesellschaftsgebilde kaum vo den übrigen Nomadenvölkern dieses Kontinents. Der Stamm wurde angeführt von einem Häuptling, der auc das Amt des Oberpriesters bekleidete. Das Volk unterteilte sich in verschiedene Gruppen (Clane), die sich an fänglich aus blutsverwandten Sippen zusammensetzten und sowohl militärisch wie auch wirtschaftlich eine Ein heit bildeten. Das Land befand sich in gemeinsamem Besitz solcher Sippen. Es wurde vom Oberhaupt vertei und durfte nicht veräußert werden. Selbst in der Blütezeit der aztekischen Kultur, als aus den Nomaden erfolc reiche Städtebauer erwachsen sind, hat sich diese Einteilung erhalten. Tenochtitlan bestand zu Beginn de 16. Jahrhunderts aus zwanzig solchen „calpulli“ (großes Haus). Von den Spaniern sind diese Clane fälschlicher weise mit barrio (Stadtviertel) übersetzt worden. Fünf „calpulli“ bildeten die nächst größere Einheit, die, wi im Reich der Inka, einem der vier Gouverneure unterstand. Diese hohen Würdenträger waren nur der Kaiser verpflichtet und stammten alle von der regierenden Dynastie ab. Der frei gewählte Führer eines „calpulli“ („calpullec“ oder „chinancalles“) übte innerhalb seines Bezirkes eine beschränkte richterliche Gewa! aus und vertrat die Interessen der Gemeinschaft gegenüber dem Staat. Jedes der „calpulli“ hatte seinen eigene calpulteotl, den Clangott.


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