Maya and Aztec

Ancient Mesoamerican civilizations






Die Zapoteken

Category: Alt-Mexico und seine Kunst

Ein Volk, das in Mexiko eine wirkliche Grabarchitektur entwickelte, war neben den Trägern der La Venta- Kultur das der Zapoteken, die in den suptropischen Tälern Oaxacäs beheimatet sind. Anfänglich bauten sie gut gemauerte, rechteckige Schachtgräber, deren Grundriß sich im Laufe der Zeit zu einer T-Form erweiterte und kurz vor der Eroberung in eine Kreuzform überging. Die vielen Gräber dieser Region enthielten besonders wertvolle und eindrucksvolle Beigaben, die das Pantheon dieser alten und eigenwilligen Kultur wiedergeben. „Ich habe keine Auskünfte finden können über das erste Auftreten dieses Volkes, die den Anschein der Wahr­haftigkeit haben, noch welche über den Ursprung ihrer Herrscher …

Um mit der Tapferkeit zu prahlen, neh­men sie für sich in Anspruch, die Söhne von Jaguaren und anderen wilden Tieren zu sein. Die großen Führer mit alter Abstammung hielten sich für die Abkömmlinge uralter und schattiger Bäume, und die, welche stolz auf ihre Unbezähmbarkeit und Standhaftigkeit sind, sagten, sie seien geboren von Felsen und Klippen.“ Das war alles, was der spanische Chronist Burgoa anfangs des 16.Jahrhunderts über die Herkunft der Zapoteken in Erfahrung bringen konnte (Francisco de Burgoa: „Palestra historial de virtudes, y exemplares apostolicos.“ Mexiko 1670 (Mexiko 1904)). Uns, die wir vier Jahrhunderte nach ihm leben, ist die Herkunft dieses Volkes immer noch rätselhaft. Beim Ausgraben ihrer alten Städte ergeben sich Fragen über Fragen.

Während die Erbauer von La Venta, Teotihuacan, Cholula und Xochicalco, einer Ruinenstadt in der Nähe von Cuernavaca, in anderen Völkerschaften aufgingen, bilden die Zapoteken sowie ihre südwestlichen Nachbarn, die Maya, ihre nördlichen, dieMixteken, und die an der Golf küste lebenden Totonaken auch heute noch geschlos­sene Einheiten, die an ihren alten Sprachen festhalten. (Von einem Aussterben dieser indianischen Rassen kann keine Rede sein. Der von französischen Gnaden errichteten Scheinmonarchie des unglücklichen Habsburgers Maximilian, der als Österreicher zum „Kaiser von Mexiko“ in die Geschichte eingehen sollte, ist durch die Entschlossenheit des Zapoteken Benito Juarez ein unrühmliches Ende gesetzt worden. Juarez, der einzige India­ner auf dem Präsidentenstuhl der Republik, sollte so zum Vater der Vereinigten Staaten von Mexiko werden.)

Das Heiligtum der Zapoteken

Wie eine Geisterstadt schält sich jeden Morgen der Monte Alban aus den weißen Hochnebelschwaden, die aus den fruchtbaren Tälern aufsteigen und das zapotekische Heiligtum für einen kurzen Augenblick durchwehen.

Gleich einer Insel in einem ausgetrockneten Meer überragt dieser künstlich planierte Götter- und Priestersitz mit seinen Tempeln, Plätzen, versenkten Höfen, Gräbern und dem Ballspielplatz die 400 Meter tiefer liegende Talsohle und gewährt einen Blick über das bergige Land. „Wenn das kein Weltwunder ist, was ist dann eines?“ fragte Egon Erwin Kisch, der „rasende Reporter“, beim Anblick dieser ebenso gewagten wie eindrucksvollen Anlage (E. E. Kisch, „Entdeckungen in Mexiko“, Berlin 1953.). So wie wir Monte Alban, die alte geheiligte Stätte, heute sehen, ist sie das Werk der zapotekischen Kultur (Abb. 111,113,114,126).

Die Zapoteken waren ein Volk von großen Baumeistern, die bei der Gesamtplanung wie auch im Einzelnen stets vom Konstruktiven, dem Grundriß, ausgingen und das entscheidende Element der Platzgestaltung erfaßten. Auf dem Monte Alban nutzten sie die beste Möglichkeit, den Platz sakral erscheinen zu lassen, indem sie von dem Gegebenen ausgingen und die eindrucksvolle Bergkuppe übersichtlich bebauten. Auf schmückende Details konnten sie verzichten und erzielten gerade mit der Schlichtheit ihrer Bauwerke die größte Wirkung. Nur wenige Baumeister der Welt haben die Landschaft so erkannt und in ihr Werk mit einbezogen wie die Gestalter des Monte Alban. Allein die Wahl dieses Platzes, der primäre Baugedanke, fördert ein harmonisches Zusammenwirken von Umgebung und Architektur. Der Unterschied zwischen der abendländischen Bauweise und der alt-amerikanischen wird an keiner anderen Stelle in Mexiko so deutlich wie auf dem „Weißen Berg“, dem Monte Alban, wie ihn die Spanier nannten. Trotz ständiger Erweiterungen und Umbauten war den Archi­tekten nichts erlaubt, was von der Harmonie der gesamten Anlage ablenken würde, eine Erfahrung, die um so erstaunlicher ist, da es sich um ein kultisches Zentrum handelt, das nahezu 2000 Jahre aktiv bleiben sollte. Immer und immer wieder in dieser langen Zeit haben Gläubige die Bauwerke erweitert und die kultische Anlage vergrößert, dennoch erweckt ihre Geschlossenheit den Eindruck, als hätte sie nur ein einziger Geist geformt. Die wesentliche Differenz zwischen der Bauweise der „alten“ und „neuen Welt“ ist das völlig isolierte Heilig­tum, das von keiner profanen Architektur eingeengt und bedrängt wird. Keine Bürgerhäuser scharen sich um die Kathedrale wie im europäischen Mittelalter, keine Paläste der Patrizier gesellen sich mit falscher Vertrau­lichkeit neben die Tempel wie im alten Hellas und Rom. Nichts wird durch verwinkelte Gäßchen und Anhäufung kleinerer Bauwerke unübersichtlich. Als Vergleich sei hier auf die geschlossene Anlage des Vatikans hingewie­sen, die ebenfalls auf einem Hügel steht. Aus den Fenstern der päpstlichen Paläste sieht man eine Kuppel, zwei oder drei Fassaden, ein Höfchen – also nur Details. Von den Stufen der zapotekischen Bauwerke aber übersieht man die gesamte Anlage. Die einzelnen Bauwerke gruppieren sich großzügig um die „plaza“. Man genießt die Architektur des Platzes als Ganzes. Die schlichte und großflächige Bauweise, auf eine Hügelkette in die gewaltige Landschaft gestellt, unterstützt die Feierlichkeit dieser Akropolis. Die Baumeister und Priester des alten Amerika, Kalendermacher und Sterndeuter zugleich, hatten, bedingt durch ihre Religion, eine leichtere Position als die Europäer, denn für sie war der geordnete Lauf der Gestirne das Vorbild. Wie in Teotihuacan so ist auch hier die Nord-Süd-Achse nicht genau eingehalten. Es dürfte auf die Ortung der Gestirne zurückzu­führen sein.


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