Maya and Aztec

Ancient Mesoamerican civilizations






Die Zerstörung von Tenochtitlan, das Ende der mexikanischen Kultur

Category: Alt-Mexico und seine Kunst

So schilderte ein namenloser indianischer Poet die Situation der Belagerten. Und Bernal Diaz del Castillo, der sich rühmte, an 119 Schlachten in der „Neuen Welt“ teilgenommen zu haben, beschrieb die Katastrophe mit seinen eigenen, unmißverständlichen Worten: „Der Grund, weshalb uns Cortes immer wieder in die Quartiere zurücksandte, war der verheerende Zustand der Stadt. Der Stadtteil, in dem sich der Feind bis zuletzt gehalten Kultur   hatte, war angefüllt mit Leichen der Gefallenen und der an ihren Verwundungen oder des Hungers gestorbenen Indianer. Sie lagen überall und sogar übereinander, im See wie in den Kanälen, in den Häusern wie auf den Straßen, das kann ich mit heiligen Eiden bezeugen. Auch in der Umgebung des großen Platzes sah ich nichts anderes. Auch hier lagen Leichen über Leichen. Ich habe den Bericht über die Zerstörung von Jerusalem gelesen, weiß aber nicht, ob es dort solch gewaltige Mengen Toter gegeben hat.

Ich kann nur bezeugen, daß in Tenochtitlan die gesamte, sehr zahlreiche Besatzung zugrunde gegangen ist. Sogar Cortes war es übel von dem Geruch, der in jenen Tagen den Aufenthalt in der Stadt so gut wie unmöglich machte. Aus diesem Grund ersuchte auch Quautemoc bei Cortes nach um die Erlaubnis für die Überlebenden, die Stadt zu verlassen. Drei Tage lang schlichen über die Dammstraßen Männer, Frauen und Kinder, bleich, schmutzig und bar von Kräften. Es war ein Anblick unsagbaren Elends und tiefsten Mitleids wert. Als niemand mehr kam, sandte unser Anführer in den verlassenen Stadtteil, der uns am meisten Widerstand entgegensetzte. Überall lagen die Toten. Der Boden war aufgewühlt nach den letzten Wurzeln und Gräsern abgesucht, sogar die Rinden der Bäume hatten sie gegessen. Nirgends fand sich ein Tropfen trinkbaren Wassers mehr, alles war salzig und ungenießbar. Trotz dieser schrecklichen Not aß niemand von dem Fleisch seiner Landsleute, man nahm nur von dem der Feinde. (Die Mexikaner hielten, wie Diaz an einer anderen Stelle berichtet, das Fleisch der Christen für unerträglich bitter.) Wahrlich kein Volk der Erde hat soviel Hunger und Durst ertragen müssen. Kein Volk ist solcher Not des Krieges ausgesetzt gewesen.“

Die unmenschliche Geschichte von der Zerstörung der aztekischen Hauptstadt und mit ihr die der blühenden Kulturen Mexikos endete menschlich, vielleicht allzu menschlich. „Nach dem Essen“, einige Tage vorher war von Cuba herüber eine Ladung mit Schweinen und Wein gekommen, „ging es an den Tanz mit den Weibern, die bei der Truppe waren; und nichts konnte lächerlicher sein“, meint der Chronist Diaz, „als die Sprünge, welche die Galanen in ihrer vollen Waffenrüstung machten. Der Tänzerinnen war ja nur eine geringe Anzahl, und ich will sie gar nicht nennen. Auch ists am besten, der Schmähungen nicht zu gedenken, die am anderen Tag über sie zum Vorschein kamen.“


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