Maya and Aztec

Ancient Mesoamerican civilizations






La Venta, kulturelles Zentrum der olmekischen kultur

Category: Alt-Mexico und seine Kunst

Robert Heizer errechnete die Bevölkerung des Hinterlandes mit etwa 18000 Menschen. Sie erbauten La Venta, vergrößerten die Stadt und versorgten ihre Bewohner. Nur an bestimmten Tagen strömten sie zu den Götter- und Priestersitzen, um zu opfern, Tribut zu zahlen und nicht zuletzt um auch an den Märkten teilzunehmen. In La Venta dominiert eine große, quadratische Erdpyramide. Wissenschaftler haben für die Errichtung dieses Bauwerkes bei ungefähr 2000 Arbeitskräften ungefähr 400 Arbeitstage errechnet. Vor der Pyramide ausge­breitet liegt die Plaza (50 x 62 Meter).

Von da aus konnten die Bauern die Zeremonien der prunkvoll gekleideten Priester auf den steilen Treppen der Pyramiden beobachten und vor oder nach Abschluß der Feierlichkeiten ihre Güter austauschen. Fast noch sorgfältiger gebaut als der übrige Teil der Stadt waren die gefliesten Grab­anlagen von La Venta. Sie zeugen, wie auch in Cerro de las Mesas, wo sich in einem Grab nicht weniger als 782 hochpolierte Jadefigürchen als Beigabe fanden, von einem ausgeprägten Totenkult (La Venta lag auf einer kleinen Insel, umgeben von Sumpf und Morast, unweit des Tonalä-Flusses, der noi zum Teil der Ebbe und Flut des Atlantischen Ozeans ausgesetzt ist. „Die bewohnte Zone ist relativ klein gewes« … es scheint mehr, daß der Platz, ein religiöses Zentrum, mit einer geringen Anzahl von ständigen Bewol nern – Priester oder Priesterfürsten und ihre Gehilfen sowie auch Künstler – besetzt war.“ (Philip Druck „Some implications of the ceramic complex of La Venta“, Washington 1957.)).

Wer die sumpfigen Urwälder dieser beiden Staaten gesehen hat, in denen die Heiligtümer der „Olmeken“ herrenlos zurückgelassen sind, der erst kann bestätigen, daß es für den Menschen kaum eine feindlicher gesinnte Umgebung geben kann. Wie bei den Maya-Indianern der klassischen Zeit, so lag es an der Eingeschlossenheit einerseits und andererseits an der ständigen Herausforderung der erbarmungslosen tropischen Natur, die den Ansporn zu solchen gewaltigen Leistungen gaben. Die markanteste Gottheit dieser Dschungel-Kultur ist ein Wesen mit einem menschlichen Körper, dessen Arme und Mundpartie mit den Attributen eines Jaguars aus­gestattet sind (Abb. 28). Wäre der Jaguar-Gott nicht so dominierend, so könnte man eine Klimaveränderunginnerhalb der letzten 2000 Jahre in Erwägung ziehen. Die Umgebung allein ist nicht der einzige Beweis für die gläubige Demut und den unbeugsamen Willen, alle Unbequemlichkeiten auf sich zu nehmen. Wer die tonnen­schweren Steinmonumente der kultischen Stätte kennt, kann ermessen, was für eine straffe Organisation not­wendig gewesen sein mußte, um, ohne Hilfe von Zugtier und Rad, diese Basaltblöcke von einem mehr als hundert Kilometer weit entfernten Steinbruch nach La Venta zu transportieren (Textabb. 1). Einer der Basalt-Köpfe mißt im Umfang über 6 Meter und hat schätzungsweise das Gewicht von etwa 60 Tonnen. Die anderen Monumente sind nur ein wenig kleiner.

Die Kunst der „Olmeken“

Das erstaunlichste an der olmekischen Kunst ist die unglaubliche künstlerische Gabe, die sich im Kleinsten wie im Größten behauptet. Sie belebt die an sich monotone Kunst, denn es gab für den Künstler nur religiöse Themen und wenige genau vorgeschriebene Formen. Die Proportionen stimmen immer, ob es sich dabei um ein monu­mentales Bildnis handelt oder um nur wenige Zentimeter große Jadeskulpturen und Tonfragmente. Der aus­gewogene Aufbau ermöglicht es, der Monumentalplastik wie der Kleinplastik die gleiche Ausdruckskraft zu geben. Die plastische Konzentration liegt instinktiv sicher zwischen sanftgerundeten Formen und sorgfältig geglätteten Flächen. Durch das Weglassen vieler Einzelheiten steigern sich diese realistisch anmutenden Skulp­turen geschickt in einen überhöhten Realismus. Die ruhelose Fülle, wie die der Maya-Kunst oder der ihr ver­wandten totonakischen, war den „Olmeken“ fremd. In der Bildhauerkunst des vorkolumbischen Mexikos findet sich eine ähnliche Sensibilität und Materialgerechtigkeit erst wieder 1500 Jahre später bei den Azteken. In der „olmekischen“ Kunst ist nicht der leiseste Einfluß von anderen Stilen sichtbar, wohl aber beeinflußt sie mit ihren Formen andere Stilrichtungen. Sie muß nach dem gewaltigen Material, das Mexikos Erde bisher frei­gab, aus sich selbst heraus, aus dem „olmekischen“ Menschen und seiner Tradition entstanden sein.

Bei allen Darstellungen stößt man auf einen ähnlichen, stark mongoliden Menschentyp. In vielen kleinen Plasti­ken dieses immer wiederkehrenden und ständig variierten Kindergesichtes läßt ein eingeschnittener Spalt an die Opferung der dargestellten jungen Menschen denken. Das ist das einzige, was die Grabbeilagen aussagen, sonst geben sie nur ein spärliches Bild über die Lebensgewohnheiten und Sitten. Im Gegensatz zu den prächtigen Haartrachten vieler Damen der vorklassischen Zeit sind hier in La Venta Männer mit Haartonsuren en vogue. Auch warzenartige Tatauierungen und vielfach geschwungene Turbans zeigen uns die kleinen Tonfigürchen. Mit der Kopfbedeckung nahm man es in den meisten Fällen genauer als mit der Kleidung, die, soweit sie über­haupt vorhanden war, nur aus einem kleinen Schurz bestand. Eine Ausnahme bilden die behelmten Krieger, die eine Schutzkleidung aus Leder und Baumwolle trugen. Zum kindlich unschuldsvollen Gesicht bildet das schreck­liche Jaguargesicht die Antithese. Dazwischen liegt nichts. War der Jaguargott die Verkörperung der chroni­schen licht- und lebensbedrohenden Kräfte und das Kind mit dem eingeschnittenen Kopf sein Opfer, das ihn besänftigen sollte?

Die Träger der La Venta-Kultur waren kein friedliches Volk. Ihre Monumente zeigen gutausgerüstete Krieger in so großer Zahl, wie wir sie später nur noch bei den Tolteken und Azteken vorfmden. Möglicherweise ist das Weltbild der „Olmeken“ sogar mit Waffengewalt anderen Stämmen aufgezwungen worden. Von ihrem Sieges­zug haben sich Monumente erhalten. Nichts dagegen aber spricht von ihrem Untergang. Vielleicht waren die jungen Völker, die dieser Krieger überdrüssig wurden, noch nicht reif genug, um von ihren Siegen durch ebenso eindrucksvolle Monumente zu berichten, oder war das eigene Volk überfordert, kam es zu einer Revolution, die die Oberschicht beseitigte und den Bauern wieder in sein altes Dasein zurückführte? In La Venta, dem mäch­tigsten Zentrum der olmekischen Kultur und auch in Tres Zapotes, das einige Jahrhunderte später als La Venta aufblühte, fanden sich die Anzeichen einer gewaltsamen Zerstörung. Sonst zeigte sich nur ein lautloser Abgang von der geschichtlichen Bühne Mexikos. Die Spuren dieser dominierenden Kultur verlieren sich in den dichten Wäldern und unzugänglichen Gebirgstälern Zentralamerikas. Das südlichste Monument im La Venta-Stil steht in einer Kaffeeplantage in El Salvador (Abb. 25), und kleinere Schmuckstücke aus Jade, mit dem unverkenn­baren Kindergesicht, fanden sich sogar noch in Gräbern von Costa Rica. Hatte diese Schmuckstücke der Handel so weit nach Süden verstreut oder sind sie die Zeugen einer Abwanderung? Vielleicht wird es den Archäologen in einigen Jahrzehnten gelingen, auch dieses Rätsel zu lösen. Die Ergebnisse dieser jungen Wissenschaft – die Mexikanistik wird erst seit einem halben Jahrhundert mit System betrieben-geben zu großen Hoffnungen Anlaß.


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