Maya and Aztec

Ancient Mesoamerican civilizations






Mixtekische Keramik

Category: Alt-Mexico und seine Kunst

Neben den Goldarbeiten standen die Knochenschnitzereien der Mixteken hoch im Kurs. Mythologische Themen, Kalenderdaten und astronomische Symbole sind mit sicherer Hand in Jaguarknochen geschnitten und dienten als Grabbeigaben wie auch als Kultwerkzeuge. Sie können sich selbst mit den altchinesischen Elfenbeinschnitze­reien messen (Abb. 129-132). Unübertroffen in ganz Mexiko ist die mixtekische Keramik. Eigenwillig und ty­pisch sind kugelförmige Pokale, die auf drei Beinen stehen, welche häufig in Jaguarkrallen oder Vogelköpfe auslaufen. In leuchtenden Farben, die durch die glänzende Politur noch lebhafter erscheinen, sind Götter und historische Persönlichkeiten im Stil der Bilderschriften aufgemalt (Abb.146; Textabb. S. 52,53). Andere wiederum zieren Muster und symbolische Motive, die sich teils aus tierischen, teils aus menschlichen Attributen zusammen­setzen. Dieser eigenwillige Gefäßstil entstand sehr spät, keinesfalls vor dem Jahr 1300, und war noch in Ge­brauch, als die Spanier ins Land kamen. Eine andere, persönliche Technik beim Ausschmücken ihrer Teller und Schalen entwickelten die Mixteken, indem sie Malerei und Relief kombinierten. Diese Art des ausge­schabten Ornaments am Boden der Schale ist später häufig von den Azteken nachgeahmt worden ohne jedoch die Qualität der Vorbilder zu erreichen.

Die Bilderhand’ schritten

Die kulturell wichtigste Leistung der mixtekischen Elite ist zweifellos die selbständige Entwicklung einer Bilderschrift, die sich von der Hieroglyphenschrift der Maya grundlegend unterscheidet. Fast zwei Jahrtausende liegen zwischen den „Danzantes“ mit den ältesten Schrift- und Kalenderzeichen und den mixtekischen Falt­büchern. Mit diesen Büchern aus Hirschleder oder Amatl, dem Papier aus Pflanzenfasern, deren Stil und Technik in späterer Zeit ebenfalls von den Azteken übernommen wurden, eröffnet sich für Mexiko die Historie. Aus der anonymen Masse der vielen Götter, Priester und Herrscher schälen sich konkrete Figuren heraus, von denen neben ihren Namen auch Schicksale überliefert sind. Vielleicht war es Zufall, vielleicht Glück, daß einige der wesentlichen originalgeschichtlichen Aufzeichnungen dieser Kultur der Zerstörung durch die Soldateska und der Verbrennung durch die Inquisition entgangen sind (Abb. 106,143).

Die Bilderschriften tragen ihre Bezeichnung zu Recht, denn im Gegensatz zu den Hieroglyphen der Maya konnten sich die Zeichen der Mixteken noch nicht vom gegenständlichen Vorbild lösen. Wie die mittelalterliche Buchmalerei in Europa, so waren auch in Amerika die Bilderschriften das Privileg der verschiedenen Priester­schulen. Während die aztekischen Faltbücher in vielen Fällen naiv anmuten, wird bei den mixtekischen eine hohe Stilisierung sichtbar, die auf eine lange Tradition schließen läßt. Gesichtsbemalung, Kleidung, Schmuck sowie die Gesten der abgebildeten Götter und Personen sind bis in das kleinste Detail festgelegt und lassen einer künstlerischen Freiheit nur wenig Spielraum. Trotzdem schwankt auch hier die künstlerische Qualität der verschiedenen Bilderschriften beträchtlich. Sowohl die mixtekischen als auch die epigonalen aztekischen strebten eine rein dekorative Wirkung an und ließen sich nicht vom Wunsch nach naturalistischem Ausdruck verleiten, der bei der gleichaltrigen Buchmalerei des europäischen Mittelalters wirksam war.

Es ist eine zweidimensionale Welt, die von Riten berichtet, Anweisungen für Kulthandlungen gibt und sowohl mythische Geschehnisse als auch historische Begebenheiten der Stammesfürsten erzählt. Ihr piktographischer Charakter macht sie leichter zugänglich als die hieroglyphischen Aufzeichnungen der Maya. Doch sollten die Schwierigkeiten der Lesung auch hier nicht unterschätzt werden, denn selbst das Geschichtliche dieser meter­langen Originaldokumente ist stets mit mythischen und kultischen Vorstellungen durchsetzt, die uns fremd sind.


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