Maya and Aztec

Ancient Mesoamerican civilizations






Moctezuma II

Category: Alt-Mexico und seine Kunst

Ein ständiges Problem, mit dem die Inselstadt noch bis in das Jahr 1900 zu ringen hatte, verursachten die Über­schwemmungen, die von Zeit zu Zeit Tenochtitlan heimsuchten. Erst zu Beginn unseres Jahrhunderts legten Ingenieure durch eine künstliche Veränderung den See trocken und bannten diese Gefahr. Der erfolgreiche Aztekenkaiser Ahuitzotl ertrank 1502, auf der Höhe seines Ruhmes, als die Fluten einer verheerenden Über- Moctezuma II. schwemmung in seinen Palast eindrangen. Einer seiner Söhne, Moctezuma, mit dem Beinamen Xocoyotzin, „Der Jüngere“, erbt den Thron. Das Schicksal bedachte diesen letzten unabhängigen Herrscher mit dem unrühm­lichsten Blatt der aztekischen Geschichte. Eine im Vatikan aufbewahrte Bilderschrift zeigt Moctezuma vor seiner Inthronisation als einen ungestümen und erfolgreichen Krieger. Nach der Thronbesteigung vollzog sich eine Änderung im Charakter dieser sehr oft als „wankelmütig und zögernd“ beschriebenen Persönlichkeit.

Vielleicht waren es schon die Berichte von den großen „Wasserhäusern“, die diese Wandlung des jungen Kriegers zu einem religiösen Fanatiker auslösten; denn es ist kaum denkbar, daß die Nachricht von den Caravellen des Christoph Kolumbus, die im Krönungsjahr Moctezumas im Golf von Honduras gesichtet wurden, nicht an den Hof von Tenochtitlan gelangt wären. Als Kaiser nahm er nur noch einmal an einem großen Feldzug teil. Alle anderen Kriege, und es waren auch während seiner Regierungszeit nicht wenige, überließ er seinem Bruder Cuitlahuac, dessen Glücksstern nach der Ankunft der Europäer ebenfalls sehr schnell verblaßte. Nach dem Tod Moctezumas II. besetzte Cuitlahuac 4 Monate lang von den Spaniern geduldet den Kaiserstuhl, dann erlag er als einer der ersten den von den Europäern eingeschleppten Pocken.

Sein älterer Bruder Moctezuma II. wird stets in der altamerikanischen Geschichte eine umstrittene Person bleiben. Manches Wenn und Aber wird sich mit seiner Tätigkeit verbinden. Es wird nie ganz geklärt werden können, ob er wirklich der „Schwächling“ war, als der er so oft beschrieben wird, oder ob es religiöse Motive gewesen sind, die seine Entschlußkraft lähmten. Alte Quellen und die Poesie der Mexikaner decken Hintergründe auf, die seine Handlungsweise verständlich werden lassen. So berichteten die aztekischen Gewährsleute Sahagün von einer Reihe außergewöhnlicher Ereignisse, die sich in den Jahren vor der Ankunft der Europäer abgespielt haben. Zehn Jahre bevor Cortes seinen Fuß auf mexikanischen Boden setzte „zeigte sich zum ersten Mal am Himmel eine Art unheilvolles Vorzeichen, wie ein Feuerbüschel, wie eine Feuerflamme, wie eine Aurora, die ausgestreckt war, indem sie sichtbar wurde, gleichsam in den Himmel stach … Sie ward gesehen im Osten, erhob sich zur vollen Höhe um Mitternacht, wenn die Morgenröte kam, dann erst verdrängte sie die Sonne“. Das zweite unheilverkündende Vorzeichen in Mexiko: „Es brannte von selbst, ging in Flammen auf, ohne daß ihn einer angesteckt hätte, indem es sich von selbst entzündete, der Tempel des Teufels Huitzilopochtli …“ Noch andere Tempel wurden zu dieser Zeit vom Blitz getroffen. Auch ein Komet zeigte sich am Himmel: „Er kam von der Gegend des Sonnenuntergangs und ging nach der Gegend des (Sonnen)aufgangs.“ Eine heulende und unheilverkündende Frau wurde des öfteren in der Nacht gehört. Und als die Fallensteller am Seeufer einen Vogel von aschgrauer Farbe in ihren Netzen fanden und ihn dem Kaiser brachten, wertete Moctezuma II. auch dies als ein böses Omen.

Das 8. Vorzeichen, von denen der Chronist zu berichten weiß, waren „Menschen, die zwei Köpfe hatten, aber nur einen Leib“. In allem Ungewöhnlichen erblickte der gottesfürchtige Monarch eine Botschaft seiner Götter. Immer mehr steigerten die Menschen ihre Anstrengungen, die zürnenden Gottheiten zu versöhnen. Immer zahlreicher wurden die Opfer für ihren Kriegs- und Stammesgott Huitzilopochtli, der täglich, nach ihrer Auffassung, seinen Daseinskampf mit der Unterwelt zu beweisen hatte. Jeden Morgen nach seiner Wiedergeburt besiegte er die Sternengötter und den Mond, und jeden Abend nach seinem Lauf am Firma­ment, starb der „Kolibri zur Linken“ und wanderte durch die Welt der Toten. Als Toter legte er den umge­kehrten Weg des Tages zurück, um am nächsten Morgen wiederum gegen die Kräfte der Nacht zum Kampf anzutreten. Die Menschen, die Nutznießer des Lichts und der Wärme, hatten die Pflicht, ihn zu ernähren, und sie taten es, mit dem kostbarsten, das sie besaßen, dem „Edelsteinwasser“, wie die Azteken das menschliche Blut nannten.


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