Maya and Aztec

Ancient Mesoamerican civilizations






Monte Alban III

Category: Alt-Mexico und seine Kunst

Auf Grund der künstlerischen Qualität unterteilt der mexikanische Archäologe und Ausgräber von Monte Alban, Alfonso Caso, die III. Phase in A und B. Monte Alban III A war das goldene Zeitalter, allerdings ohne Gold, denn die Kunst der Metallverarbeitung erreichte nach unseren heutigen Forschungsergebnissen die mexikanischen Kulturen, von Peru über Panama kommend, erst in der historischen Zeit. Sowohl in der Klein­kunst wie auch in der Architektur sind große künstlerische Kräfte am Werk. Der Stil ist äußerst vielseitig und nimmt die Anregungen von den weichen und geschmeidigen Maya-Völkern ebenso wahr wie die von den harten und verschlossenen Hochlandstämmen der Mesa Central. Nie verleugnet sich aber der eigene zapotekische Charakter. In den Fresken der Gräber dokumentiert sich der Einfluß von Teotihuacan vielleicht am deutlichsten. Doch die Zapoteken hatten nicht den sicheren Strich und die harmonische Farbabstufung ihrer nördlichen Vor­bilder. Sie sind wilder und ungnädiger, und was die Wandmalereien ebenfalls unterscheidet, das ist die Schrift, Namenshieroglyphen, die die Personen umgeben.

Die Götter der Zapoteken

Mit ihren orginellen „Bildurnen“ haben die Zapoteken uns eine umfangreiche Übersicht über ihre Götter geliefert (Abb. 115-119). Im wesentlichen sind es die gleichen Götterfiguren – eine abstrakte Form von Natur­gewalten – wie in den anderen Teilen des Landes, nur heben sich diese monumental gedachten Tonbildnisse aus Oaxaca durch den edlen Ausdruck ihrer vermenschlichten Gesichter ab. Statt der gedrungenen Figur Tlalocs mit den breitumränderten Augen und dem geifernden Mund begegnet uns im zapotekischen Olymp ein aristokratisch aussehender Herr, den nur die überlange, gespaltene Zunge einer Schlange als den Regengott Cocijo erkennen läßt (Tafel 118). Auch bei dem Maisgott mit seiner rüsselförmigen und nach oben Unbekannte Glyphe von Monte Alban, Montfculo J gebogenen Nase, dem alten Feuergott und den Jaguar- und Fledermausgöttern weisen die reiche Kleidung und der üppige Kopfputz auf ihre göttliche Funktion. Nie stießen die Schöpfer dieser sensiblen Figuren ganz zum Realismus vor. Sie unterwarfen sie trotz des ornamentalen Reichtums – sie zu formen, war technisch nur durch den besonderen Ton von Oaxaca und eine verbesserte Technik des Brennens möglich – einer straffen figuralen Norm von Rhythmus und Symmetrie. Gesichtsausdruck und Haltung vieler dieser Figuren geben die Vision einer schon mit Trauer überschatteten, abwartenden Ruhe wieder. Kein offenes Lachen, kein listiges Schmun­zeln, keinen Ausdruck von Schmerz oder Freude kennt diese Kunst. Es liegt eine eigenartige Verklärtheit in diesen ruhigen Gesichtern, die die Toten in die Unterwelt begleiteten. Ihr Gesicht mit den menschlichen Zügen ist stets der Mittelpunkt, der ruhende Pol, von wo aus sie den Betrachter zwingen, die Blicke auch auf das unru­hige Ornament der Kopfbedeckung und auf die prächtige Kleidung zu werfen. Kopfputz, Gewänder und Schmuck dieser göttlichen Abbilder verkünden den Reichtum des Landes, eben jenen Reichtum an kostbaren Geweben, leuchtenden Farben und wertvollen Halbedelsteinen, dessentwegen das Land in späterer Zeit nicht zur Ruhe kommen sollte. Mixteken, Azteken und zuletzt die „weißen Götter“, für die man die Spanier hielt, begehrten ihn. Der Eroberer Mexikos, Cortes, hat nicht von ungefähr sich diese Gegend als sein Lehen von der spanischen Krone ausbedungen. Als Marques de Valle (Tal von Oaxaca) ging der verhinderte Vizekönig von Neu-Spanien in die Geschichte ein.

Der Verfall der religiösen Ideen und die beginnende Dekadenz

Der Übergang von Monte Alban III A zu III B vollzog sich zwischen dem 5. und 7. Jahrhundert. Monte Alban III B |rjn zweifellos das Erbe der vorhergehenden Periode an, trägt aber bereits die Anzeichen von Dekadenz.

Ähnlich wie in der Kultur von Teotihuacan kann der Grund für die Auflösung der künstlerischen Potenz nur mit dem Verfall der religiösen Idee Zusammenhängen. Die Gründe für das Ende der theokratischen Zeit konnte auch in Monte Alban nicht geklärt werden. Diese kultische Stätte der Zapoteken ist etwa zur gleichen Zeit wie Teotihuacan und die Zentren der klassischen Maya-Kultur verlassen worden. Aber im Gegensatz dazu zeigt das Mekka der Zapoteken keine Spuren einer gewaltsamen Zerstörung. Der heilige Berg diente in der folgen­den Zeit hohen Würdenträgern als Nekropolis (Totenstadt). Die eigentliche Hauptstadt, die heute nur noch den Charakter eines Dorfes hat und von der so gut wie nichts an die alten Tage erinnert, wurde Zaachila. Mitla (yoo-paa = zapotekisch „Sitz der Toten“ oder „Haus der Rast“) eine neuere Gründung der Zapoteken, sollte dagegen in die Annalen der Archäologie als die am besten erhaltene Ruinenstätte des alten Mexiko eingehen.


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