Maya and Aztec

Ancient Mesoamerican civilizations






Plastik und Architektur

Category: Alt-Mexico und seine Kunst

Dieses von den aztekischen Gewährsleuten des Paters Sahagün überlieferten Zeilen lassen erkennen, daß zwischen Bildhauer und Baumeister kaum ein Unterschied bestand. Monumentalplastik und Architektur ver­schmolzen zu einer Einheit. Das eine war dazu da, die Wirkung des anderen zu unterstützen. Die Skulpturen entstanden aus dem gleichen Bewußtsein für Disziplin und Symmetrie wie die Tempel und Pyramiden. Sie sind die plastischen Ergänzungen, die sich harmonisch in die strenge Architektur einzufügen hatten. Leider ist es uns nicht mehr gegeben, die Götterbilder in ihrer räumlichen Distanz mit der notwendigen Einbeziehung „ihrer Wirklichkeit” zu erleben. Die großflächige, aber unruhige Modellierung der aztekischen Skulpturen gab den ruhenden Massen der Bauwerke ihre eigenartige Spannung. (In manchen verlassenen Städten der klassischen Maya-Kultur bekommt man doch noch einen Eindruck dieses spannungsgeladenen Zusammen­wirkens von Plastik und Bauwerk.)

Den Wunsch, monumentale Effekte mit den Skulpturen zu erzielen, hatten die Azteken von den Tolteken über­nommen. Das Spiel von Licht und Schatten, die Umgebung der farbigen Tempel und „Himmelsberge“, in Tula wie in Tenochtitlan, gaben diesen Götterfiguren die ganze gewaltige Kraft ihrer Aussage. Das Spiel von Licht und Schatten erst zeigte die Körperlichkeit ihrer mannigfaltigen Details und die hieroglyphenhafte Bericht­erstattung der göttlichen Attribute einer eigenartigen Vorstellungswelt. Leuchtende Farben sowie die Struktur des rauhen, vulkanischen Gesteins unterstützten die Wirksamkeit dieser magisch-mystischen Kunst. In Marmor gehauen wäre die aztekische Monumentalplastik kaum denkbar. In den ethnologischen Museen sind die formale Kraft sowie das Erlebnis dieser einzigartigen bildnerischen Entscheidung der aztekischen Bildhauer selbst heute noch spürbar.

Mensch und Tier in der Kunst

Neben der architektonischen Plastik stehen zahlreiche, fast naturalistische Schöpfungen von Menschen und Tieren, ungewöhnlich sensibel und von großer Schlichtheit. In den Gesichtern der Menschen findet sich kein Lachen, sie sind schmerzverhöhnend und undurchdringlich. Nur manchmal ist ein menschlicher Körper in Aktion dargestellt. Die Kunst ist auch hier wieder deutlich Ausdruck der Umwelt, der Ideen und Sitten des Volkes. Neben der gefährlichen und lauernden Haltung zusammengerollter Schlangen, zweifellos ein magisches Symbol, findet sich der passive Fatalismus des indianischen Menschen. Das naturalistische Vorbild wird stark vereinfacht, dem Material angepaßt, ohne daß jedoch auf wichtige Einzelheiten verzichtet wird. So sind bei den Schlangen oft die Rückenwirbel bis ins feinste herausgearbeitet. Und so leben eigenartigerweise diese Tiere aus Stein, während der Mensch sich mit einem physiognomischen Panzer umgibt. Anscheinend ging der Künstler bewußt einer Identifizierung mit dem lebenden Vorbild aus dem Wege. Vielleicht wollte er nur Gleichnis schaffen oder Vorbild? Am Mangel bildhauerischer Fähigkeiten lag es jedenfalls nicht, und so konnte es nur der strenge Götterglaube sein, der verschiedene Tabus vorschrieb und den Künstlern verwehrte, etwas All­tägliches oder Lebensbejahendes zu gestalten. Die einzigen Ausnahmen bilden irdene Rasseln, Kinderspielzeug, die aber keineswegs als Kunst anzusprechen sind.

Die Keramik

In der aztekischen Keramik bricht die Krise, die sich bereits in der Spätzeit der Teotihuacan-Kultur anzeigte, deutlich hervor. Sie begann mit dem Zunehmen der Bevölkerungszahl in den großen Zentren und kam, als die keramische Kunst in die Fabrikation entglitt. Hunderte, ja vielleicht Tausende von kleinen Votivfiguren, mit der gleichen Form gepreßt, waren die für das Volk bestimmten Massenfabrikate. Dennoch finden sich selbst in der Zeit der großstädtischen Massenherstellung Objekte von vorzüglicher Qualität. Mit Recht aber werden sie den Mixteken oder zumindest ihrem starken Einfluß zugeschrieben. Die eigene Keramik der bekanntesten Kultur des alten Mexiko, Vasen, Teller, Schüsseln und Räuchergefäße, ist gewöhnlich mit kleinen geometrischen oder pflanzlichen Mustern verziert. Die zarten Pinselstriche, nicht zuletzt auch die Dünnblütigkeit des gesamten Dekors erinnern stark an die Ornamentation der Inka-Keramik (Abb. 212). Während der Militär-Monarchie in Peru und unter den militaristischen Herrschern der Azteken verkümmerten in der Keramik die künstlerischen Fähigkeiten der Vorläuferkulturen. Die Ursache liegt einerseits in der Bildung großstädtischer Metropole, andererseits in der kriegerischen Expansionspolitik. Das städtische wie das kriegerische Leben raubten den Gelegenheitskünstlern Zeit und Muse. Gerade im Vergleich zu der hohen Qualität der übrigen Kunstsparten, Bildhauerei, Metallurgie, Architektur, die von professionellen Künstlern geschaffen wurden, sehe ich einen überzeugenden Beweis.


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