Maya and Aztec

Ancient Mesoamerican civilizations






Quetzalcoatl, der fünfte Herrscher der Tolteken unterliegt und flieht nach Yucatan

Category: Alt-Mexico und seine Kunst

Nach der „Historia de los Reynos“ hatten die Tolteken zehn Könige. Ihr Priesterkönig Quetzalcoatl, der sich den Namen dieses alten mexikanischen Gottes angeeignet hatte, war der fünfte. Der Sage nach baute er sich selbst aus Muscheln, Türkis und Federn seine bemerkenswerten Paläste. Im Konflikt mit Tezcatlipoca, dem „rauchenden Spiegel“, der als Stammesgott einer anderen Chichimekengruppe ursprünglich ebenfalls eine ^ flieht nach Yucatan historische Persönlichkeit war, unterlag „die gefiederte Schlange“ und mußte mit ihren Anhängern fliehen.

Die Spur läßt sich sowohl in den Überlieferungen der „Chilam Balam“, den geheiligten Büchern der „Jaguar- Priester“ von Yucatan, verfolgen, und ist im Stil der Architektur von Chichen Itza belegt. Diese Stadt inmitten des Maya-Landes, mehr als 1200 km von der Heimat des Regenten Quetzalcoatl entfernt, ist von Tolteken im Stil des alten Tula umgebaut worden. Wie Kopien erscheinen die Reliefs mit den toltekischen Kriegern, den herzfressenden Adlern und Jaguaren. Der sogenannte Gott „Chac Mool“ sowie Skulpturen der „gefiederten Schlange“ finden sich dort als Beweise für die Einwanderung der Tolteken. Der Neuerer der Religion trug bei den Maya den Namen Kukulcän, was die wörtliche Übersetzung von Quetzalcoatl ist. Chronisten der Maya legen die Zeit seiner Ankunft zwischen 977 und 999. Abgesehen von einer gewissen zeitlichen Übereinstimmung sind diese 1 Angaben auch sonst von immenser Wichtigkeit, da sie von einem anderen Volke überliefert wurden (Textabb. 3-5; Abb. 185,186,188,189).

Mit Quetzalcoatl, der „gefiederten Schlange“, begegnet uns im Mesoamerika die erste historische Persönlichkeit, und es lohnt sich, einen Blick in die alten Bücher zu werfen und diese Person von so hohem Rang näher zu be­trachten. Aus Quetzalcoatl und seinem Gegenspieler Tezcatlipoca sollten im Laufe der Generationen zwei der wesentlichsten mexikanischen Götter werden. Sie sind These und Antithese und bilden den Rahmen der altmexika­nischen Religionsphilosophie, in der der Dualismus mit dem Verächter der Menschenopfer, Quetzalcoatl, und dem blutdürstigen Tezcatlipoca sein klarstes Bild findet. Ihr Konflikt, der Kampf dieser beiden „Götter“, wird zum Sinnbild der gesamten Religion: Das friedliche Weltbild unterliegt, das kriegerische siegt. Das Menschenopfer wird eingeführt (bzw. wieder eingeführt); und die „Politik der Stärke“ vertreibt auch hierzulande die Vernunft. Die Sehnsucht aber nach dem Reich Quetzalcoatls, nach dem friedlichen Zeitalter, dem Ursprung von Kunst und Kultur bleibt noch Jahrhunderte wach. Bei den Azteken mehr als bei anderen Stämmen, obwohl gerade, oder weil ihr Stammesgott Huitzilopochtli die Züge Tezcatlipocas trägt. Aztekische Könige wollten es anscheinend mit keinem dieser älteren Götter verderben. Mit folgender Rede ließen sie sich in ihr Amt einführen:

„Seit heute, oh Herr, sitzt du auf dem Thron, dem Stuhl, den zuerst ce acatl nacxitl Quetzalcoatl gründete

und in seinem Namen kam Huizilopochtli,

der den Thron wirklich schuf

so wie er heute ist,

und in seinem Namen

kam als erster Acamapichtli…“,

danach folgte die Aufzählung aller vorangegangenen Könige von Tenochtitlan (Tezozomoc, „Cronica Mexicana“, Cap. 56.).

Die Vertreibung Quetzalcoatls, das Ende des paradiesischen Zustandes, ist der Sage nach von ihm selbst verschuldet worden. Zu dem kranken und alternden Priesterkönig, der sich wegen seiner Häßlichkeit vor den Menschen verbarg, kamen eines Tages sein Gegenspieler Tezcatlipoca in Begleitung seines jüngeren Bruders Huitzilopochtli und der Pulquegott als Verbündeter. Sie priesen Quetzalcoatl die weiße Pulque als heilenden Trank. „Wenn du sie trinkst, wird sie dich berauschen und sie wird deinen Leib leichtmachen. Du wirst weinen und du wirst betrübt sein. Du wirst an deinen Tod denken. Du wirst daran denken, wohin du gehen sollst.“ Quetzalcoatl ließ sich überreden und trank, wie im Plan vorgesehen, auch noch die fünfte Schale, „die Schale zuviel“. In seinem Rausch vergaß er die Riten und verletzte das Gelöbnis des Fastens. „Da weint er, und eine tiefe Niedergeschlagenheit ergreift ihn. Da erst machte er sich vertraut (mit dem Gedanken fortzugehen) … es war das Werk des Rausches, das der Dämon der Zauberer bewirkt hatte“ (Sahagun „Historia General de las Cosas de Nueva Espana“.). Eine andere Quelle, die „Anales de Cuauhtitlan“, beschreibt das gebrochene Gelübde des Fastens noch deutlicher. Der berauschte Priesterkönig rief demnach seine Schwester, „so daß wir beide betrunken werden“. Sie vergaßen die Götter und verwirkten dadurch für sich und ihr Volk das Schicksal.

„Und nachdem er am Ufer des Meeres angekommen war,

machte er die Schlangenbahre,

setzte sich darauf, und das war sein Schiff.

Er wurde auf dem Wasser fortgeführt,

und niemand weiß mehr, wie er nach Tlapallan (Tlapallan ist „Land der roten Farbe“, d. h. das Land des Sonnenaufgangs.) gelangte“ (Sahagun „Historia General de las Cosas de Nueva Espana“.).

Alle alten Quellen stimmen in der Abwanderung des Priesterkönigs Quetzalcoatls mehr oder weniger überein.

Im „Memorial Breve“ heißt es:

„Indem er die Gegend des Sonnenaufgangs aufsuchte, die Gegend, die danach heißt, daß er in Röte (Blut) aufging, in Rauch aufging.

Demgemäß sagte man, er werde einmal zurückkehren.“


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