Maya and Aztec

Ancient Mesoamerican civilizations






Teotihuacan I

Category: Alt-Mexico und seine Kunst

Die Entwicklungsstufen der Kultur – auch die schleichenden Degenerationserscheinungen – zeichnen sich am deutlichsten in der Kleinkunst ab. Für die Kultur von Teotihuacan, wie auch für viele andere des alten Mexiko, gibt es keine Antwort auf das Woher und Wohin. Dazwischen liegt das Wie und Warum, das durch die Funde der Archäologen weitgehend geklärt werden konnte. Auf Grund technischer, stilistischer und kultureller Unter­schiede wird die Kultur in vier Abschnitte gegliedert. Teotihuacan I zeigt ein ähnliches Bild wie Cuicuilco, eine einfache, unbeholfene und bäuerliche Keramik.

Künstlerisch liegen die Arbeiten dieser noch vorklassischen Periode weit unter dem Niveau der anderen Siedlungsplätze im Hochtal. Scherben und Fragmente dieser Zeit ließen sich am deutlichsten im Bauschutt der gewaltigen Sonnenpyramide nachweisen, denn, um das etwa eine Million Kubikmeter betragende Baumaterial für den 65 Meter hohen „Himmelsberg“ zu erhalten, wurden alle älteren Gebäude eingerissen (Die Periode ist unterteilt in „Chimalhuacän“ und in eine ältere, die von „Tzacualli“. Die Artefacte stammen hauptsächlich aus dem Baumaterial der Sonnenpyramide. Ein Kohlenstoff-14-Test gibt das Alter 900 v. d. Z. an.). Außer Knochen und Steinwerkzeugen kamen aus dem Innern der Pyramide Fragmente von ausdrucksarmen Tonfiguren.

Irdene Kügelchen oder herzförmige Tonklumpen bilden das Haupt, und flüchtig geritzte Linien deuten Mund und Augen an. Nase und Mund fließen häufig zusammen und bilden eher eine tierische Schnauze als eine menschliche Physiognomie. Das Bild, das diese Figuren zeigen, deutet auf ungeübte Hände und vage religiöse Vorstellungen einer unreifen Gesellschaft hin, in der jeder sein eigener Meister war und der es an straffer Organisation wie an klar umrissenen Ideen mangelte. Die Artefakte können sich nicht annähernd mit den Figuren des viel älteren Tlatilco messen. Die Gebrauchskeramik zeigt eine Verwandtschaft mit der bäuerlichen von Ticoman. Sie ist braun oder rötlich und manchmal in Negativ-Verfahren mit weißlichen oder gelben geometrischen Mustern versehen. Nichts von Teotihuacan I läßt einen Ansatzpunkt für den Aufschwung zur klassischen Zeit vermuten, und nichts gibt einen Anhaltspunkt, daß die alten Bewohner des Tales auch die Träger der ausgereiften Kultur sind.

Teotihuacan II der Beginn der klassischen Zeit

Der Übergang von der vorklassischen Zeit zur klassischen verläuft in Teotihuacan so unerwartet, daß viele Wissenschaftler an einen äußeren Einfluß denken. (Anthropologisch entsprechen die in der Stadt gefundenen menschlichen Überreste mehr den Bewohnern des Tieflandes als denen des Hochlandes. Der Chronist Torque- mada (1723) erwähnt, daß die an der Golfküste beheimateten Totonaken sich rühmten, ihre Ahnen hätten die großen Pyramiden im Hochland erbaut.) Wo auch immer die Ursprünge liegen, das blühende Teotihuacan sprühte seine Kultur vom Land der Huaxteken im Nordosten bis tief in den Süden, das Hochland der Maya. In Kaminaljuyü, am Stadtrand von Guatemala-Stadt, sind die Einflüsse derart stark daß man eine Kolonie von Teotihuacan vermutet. Die Architektur ist über eine lange Zeitspanne hinweg an die von Teotihuacan angelehnt gewesen und die Keramik zeigt den typischen Stil der tausend Kilometer weiter nördlich liegenden Stadt. Für einen kurzen Augenblick der Geschichte reichten sich hier zwei bedeutende Hochkulturen, die von Teotihuacan und die der Maya, freundschaftlich die Hände.

Während sich nicht das kleinste Bauwerk der ersten Periode von Teotihuacan erhalten hat, brilliert die zweite bereits mit den beiden mächtigsten (Teotihuacan II wird auch unter der Bezeichnung „MiccSotli“ in den Annalen der Archäologie geführt.). Sowohl die Sonnenpyramide als auch die Mondpyramide entstanden gleich zu Beginn der Periode Teotihuacan II. Betrachten wir die Ausmaße, dann können wir schon für diesen Zeitpunkt, der etwa um 200 n.d.Z. angenommen werden kann, ein mächtiges theokratisches Gesellschafts­gebilde erblicken. Die Seitenlänge der fast quadratischen Sonnenpyramide beträgt 220 Meter, und auf 3 Milli­onen Tonnen schätzt man die Erdmasse, die für dieses 65 Meter hohe Bauwerk bewegt werden mußte. Die Pyra­mide ist in einem ununterbrochenen und einmaligen Arbeitsgang entstanden und in ihrer Urform, bis auf einen kleinen späteren Vorbau, durch die Jahrhunderte unangetastet geblieben, während andernorts die sakrale Architektur ständig überbaut und vergrößert wurde.

Mit der sozialen Umwandlung der frühen Ackerbauern in eine theokratische Gesellschaft zeigt sich auch in der einfachen, schwarzen und braunen Keramik der Wunsch nach besserer Qualität sowie nach Erweiterung ihrer Formen. Neben Schalen mit eingeritztem Dekor kommt das typische Zylindergefäß, das auf drei Füßen steht, in Mode. Auch wird in Teotihuacan II ein deutlicher Unterschied zwischen der Gebrauchskeramik und einer viel feineren, die für religiöse Zwecke bestimmt war, sichtbar. Dreifußgefäße, auf deren dünn aufgelegten Stuck­untergrund meist eine polychrome Malerei cloisonn-artig in Schab- und Ritztechnik aufgetragen ist, sind sowohl thematisch wie auch in der Technik kleine Verwandte der großen Wandmalereien. Priester oder eine Regen spendende Gottheit stehen fast immer im Mittelpunkt der Darstellungen (Abb. 96,101).

Hätte man keine anderen Beweise, die Bestimmtheit im Stil und die Sicherheit der Ausführung dieser einen Kera­mik würde genügen, um den Eintritt in die sogenannte „klassische Periode“ zu dokumentieren, ebenso wie die graziösen und bewegten Tonidole, die neben Menschen auch Götter zeigen. Die konventionelle Herzform, aus der die menschliche Kopfform entwickelt ist, wird eigenartigerweise in den vier Phasen der Teotihuacan-Kultur beibehalten (Abb. 87,94,95).


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