Maya and Aztec

Ancient Mesoamerican civilizations






Umwelt und Dichtung

Category: Alt-Mexico und seine Kunst

Die Eindringlichkeit der Einfachheit ihrer poetischen Bilder, die nicht unserer, sondern der indianischen Welt entstammen, können von uns, ein halbes Jahrtausend nach ihrer Entstehung, noch in ihrer dichterischen Schön­heit empfunden werden.

Die aztekischen Poeten sprachen nicht in einen schalltoten Raum. Um die ungeheure Wirkung der Emotion auf die Massen zu verstehen, ist es notwendig, sich in die Umgebung zurückzuversetzen, in der diese Dichtung entstand und lebte. Die hochaufgerichteten Pyramiden mit ihren Tempeln und steil ansteigenden Treppen, die bunt und kostbar gekleideten Würdenträger, erschreckend in ihrer Ungeheuerlichkeit; unten, zusammenge­preßt die unzähligen Menschen, die gläubig und gottesfürchtig sich auf den Plätzen versammelten als die Statisten dieser göttlichen Dramen, bildeten den eindrucksvollen Rahmen. Archaische Töne aus irdenen Trom­peten und großen Seemuschelhörnern, gesteigert durch die rhythmischen, dumpfen Klänge der Fellpauken und Holztrommeln, unterstützten den teils getanzten, teils gespielten Vortrag der Sänger. Das Gedicht wurde zum Schauspiel, häufig sogar zum blutigen Drama der von den Göttern geforderten Riten. Die ständigen Wiederholungen phonetisch-rhythmischer Wortbildungen, die Tiere oder Dämonen nachahmen (in dieser Publikation bis auf ein Beispiel weggelassen), wirkten auf die zuschauende Masse wie ein Narkotikum. Es war nicht mehr ihre Sprache, die hier in Szene ging, es war die Sprache ihrer Götter. Viele der Worte blieben dem Volk unverständlich – wie die lateinischen Worte in den katholischen Messen – aber sie hinterließen eine tiefe Wirkung.

„Nacht.

Es raucht

und wirbelt Staub auf.

Es freut sich der,

.durch den man lebt.

Glänzend liegen Schilde und die Blumen verstreut.

Furcht verbreitet sich.

Die Welt erzittert, hier,

auf dem Platz, dem Ort, der dem Blumentod Geweihten.

Wo der Krieg ist, dort,

wo er die Erde berührt, wirbelt er Staub auf.

Schon windet, schon dreht sich wie eine Spindel Er,

der den Blumentod erwartet, einer der Edlen, oh ihr Gebieter, ein wahrer Chichimeke.

Keine Furcht kennt mein Herz, dort auf dem Feld des Kampfes, denn ich ersehne den Tod; den Tod

durch das steinerne Messer.

Das Herz,

wie unser aller Herz, wünscht sich auch das meine den Tod im Kriege.

Vernehmt nur: dort im Kriege ersehne ich den Tod; durch das steinerne Messer wünscht mein Herz den Tod sich im Kriege.

Der wirbelnde Staub, er windet sich zu Deinen Füßen oh Herr, .durch den wir leben*.

Die Adler und die Jaguare sind Dein und Dein ist das Feuer des Krieges, das Feuer der Edlen, das lodert.

Laßt uns noch fröhlich sein,

Ihr, unsere Freunde.

Genießt die Freuden,

Edle Ihr,

die Euch der Kampfplatz erwartet.

Nehmt die blumengeschmückten Schilde, entzündet

die Fackel des Krieges.“ (Ein „Kriegsgesang“ aus den „Cantares Mexicanos“ (gekürzt wiedergegeben))


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