Maya and Aztec

Ancient Mesoamerican civilizations






Zweckbedingte Architektur

Category: Alt-Mexico und seine Kunst

Neben vielen kleineren Tempeln gab auch die zweckbedingte Architektur der Stadt ihr Bild. Schulen und Vor­ratsspeicher, Wohnplätze für Priester und ihre zahlreichen Gehilfen, Werkstätten für die Künstler und Bau­meister sowie Raststätten für Kaufleute, die aus fremden Ländern kamen, und wahrscheinlich auch eine kleine Kaserne für eine Art Schutztruppe gruppierten sich um die Tempelbezirke. Das Volk kam nur zu den Festtagen in die Stadt, um am Kult der Götter teilzunehmen und anschließend auf den Märkten seine Waren zu tauschen. Es kam auch, wenn es gerufen wurde, um an der Errichtung der sakralen Bauwerke mitzuarbeiten.

Von der weltlichen Archtitektur ist nur wenig erhalten. Wie wir aus den Ruinen ersehen, waren die Gebäude einstöckig, lang gestreckt und fensterlos. Licht und frische Luft drangen nur durch die Tür ins Innere. Meist waren die Häuser im Geviert angeordnet und besaßen eine steinerne Regenrinne, die das kostbare Wasser in den Innenhof leitete, wo es sich sammeln konnte. Alle Paläste und Tempel hatte man mit Schichten aus vulkani­schem Geröll, vermischt mit Eisenoxyd, und Kalk verputzt. Die Wände wurden mattschimmernd mit Jadeit po­liert. Auch die Fassaden der weltlichen Bauwerke waren fast ausschließlich mit weißem Stuck überzogen. Alle Straßen und Plätze innerhalb der 14 Quadratkilometer umfassenden zeremoniellen Zone bedeckte eine stein­harte, 10 cm dicke, rote Mörtelschicht. Die europäischen Städte des Mittelalters müßten sich mit ihren ungepfla- sterten Straßen gegen Teotihuacan wie dreckige, kleine Dörfer ausgenommen haben. Der amerikanische Archäologe George C. Vaillant zieht aus der Tatsache des Straßenpflasters und der großen Anzahl der ver­putzten Häuser einen bestechenden Schluß: „Die heutigen Maya-Indianer verfeuern, um eine bestimmte Menge Kalk zu brennen, das Zehnfache an Holz, dabei haben sie den Vorteil von Stahläxten. Wir gehen daher sicher nicht fehl in der Annahme, daß den damaligen Bauleuten bei dem Fehlen jeder Art von Metall die Holzarbeit zu unbequem war und sie es vorzogen, Holzkohle durch Abbrennen der Wälder zu gewinnen. Wenn das zu­trifft, so waren damals schon die Berghänge von Wäldern entblößt, was ein Austrocknen der Flüsse und ein Abschwemmen des Ackerbodens verursachte.“ Das wirtschaftliche Rückgrad dieser Agrargesellschaft wäre demnach durch ihre prachtvolle Mitte, das glanzvolle Teotihuacan, gebrochen worden.

Das Ende von Teotihuacan

Die Teotihuakaner haben die größte alt-amerikanische Stadt leer zurückgelassen, sie gaben mit ihrem Unter­gang eines der gewichtigsten archäologischen Rätsel auf. Acosta glaubt nicht an Hungersnot und Seuchen, er meint: „Ein leidendes Volk wäre abgewandert, jedoch für einen Exodus gäbe es keine Beweise.“ Auch Anzei­chen für eine Eroberung durch fremde Stämme fehlen, denn noch immer in der Geschichte der Menschheit haben es die Sieger verstanden, ihr „Gesicht“ zurückzulassen. Die einzigen Spuren in der verlassenen Stadt, die über ihr Ende aussagen, sind verkohlte Balken und rußgeschwärzte Mauern. Gespeist vom Stroh der Dächer, von den Holzbalken der Wände und Fußböden muß eine ungeheure Feuersbrunst die prächtige Stadt zerstört haben. Gleichviel ob die Ursache von außen kam oder von innen durch einen Aufstand der Unzufriedenen und Hungrigen gegen die Priesterkaste ausgelöst wurde, mit dem Untergang von Teotihuacan endete die theokratische, die klassische Kultur. Wie einst die Wellen produktiver Kraft von dieser Stadt aus das Hinterland erfaßten, so scheint auch der destruktive Geist der Auflehnung bis in die entferntesten Teile des Landes getragen worden sein. Im Tiefland von Guatemala brach fast gleichzeitig die klassische Kultur der Maya zusammen. Die Menschen überließen dort ihre Städte dem feuchten Grab des tropischen Regenwaldes und wanderten nordwärts auf die Halbinsel Yucatan. Eine neue, mehr nach der weltlichen Seite orientierte Führerschicht brachte andere Ideen und Geistesströmungen zum Durchbruch. Und diesen gegenüber der klassischen Zeit neuen Vorstellungen ent­sprach eine andere Kunst und Architektur.

Kunst und Kunst­handwerk der klassischen Zeit

Die technischen Errungenschaften der amerikanischen Indianer bis zum Ende der klassischen Zeit standen, verglichen mit der „Alten Welt“, etwa auf der Stufe des Neolithikums. Der gewaltige Unterschied zwischen den Bewohnern Mexikos und den Menschen der ausgehenden Steinzeit in Europa liegt in der ästhetischen Qualität ihrer Kunst und ihres Kunsthandwerks. Indianische Skulpturen, keramische Gefäße und Wandmalereien, ge­schaffen mit den technischen Mitteln der „Stein-Zeit“, zählen sowohl durch ihre formale Ausdruckskraft wie auch durch ihre künstlerische Sensibilität zu den höchsten Kunstwerken der Welt. „Die mexikanische Kunst hat ihren Rahmen in der Stammesgesellschaft. Sie ist hoch organisiert und mehr auf gemeinschaftlicher Basis als auf individueller. Jedermann hatte seinen Platz in der Gesellschaft, seine sozialen Pflichten, reguliert durch Tradition“ (C. A. Burland in einer Ergänzung zu „The Aztecs“ von George C. Vaillant, London 1956.).


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