Maya and Aztec

Ancient Mesoamerican civilizations






Andere Ideen dringen in das Hochtal ein

Category: Alt-Mexico und seine Kunst

Etwa um die Mitte des ersten Jahrtausends v.d. Zeitwende wandelt sich das sorglose Gesicht der lebensfreudigen Tänzerinnen. Andere Ideen und andere Gesellschaftsformen dringen von außen her in das Hochtal ein. Die Träger dieser Neuerungen, die sogenannten „Olmeken“ (Bei den „Olmeken“ handelt es sich um eine untergegangene Kultur, die zwar in vielen Teilen Mexil und Zentralamerikas ihre Spur hinterlassen hat, deren ursprünglicher Name aber unbekannt blieb. Vgl. c nächste Kapitel) hinterließen ihr Gesicht, das „baby-face“, in manchen Gräbern von Tlatilco und seiner Umgebung (Abb. 16).

Ein zwölfjähriger Junge, der seinen kleinen Bruder im Schultertuch zum Markt von Chalcatongo trägt.

Ein zwölfjähriger Junge, der seinen kleinen Bruder im Schultertuch zum Markt von Chalcatongo trägt.

Die Begegnung mit diesem höherstehenden Volk war dem Anschein nach nur von kurzer Dauer, jedoch von größter Wichtigkeit. Wie das Zusammen­treffen eines jungen Menschen mit einem älteren oft für das ganze Leben ausschlaggebend ist, so scheint auch der olmekische Einfluß verschiedenen archaischen Kulturen zu einer geistigen Reife verholfen zu haben. Der mexikanische Maler und Archäologe Covarrubias spricht in diesem Zusammenhang von der „Mutterkultur der Olmeken“. Wie weit die Entstehung der verschiedenen Kultplätze im Hochtal auf den direkten Einfluß oder nur auf einen indirekten der „Olmeken“ zurückgeht, muß die zukünftige Archäologie zu klären versuchen. Auch wird es ihre Aufgabe sein, eine Antwort darauf zu geben, warum sich der olmekische Einfluß nicht tiefer und anhaltender im Hochtal von Mexiko durchsetzen konnte. Verschiedene Anzeichen deuten darauf hin, daß an manchen Plätzen bereits eigene Bestrebungen zur Bildung einer intellektuellen Elite und einer bodenständigen Religion vorhanden waren. Das wäre die verständlichste Erklärung, warum nach einem kurzen Gastspiel der „Olmeken“ in vielen Teilen Mesoamerikas die verschiedenen Stämme aus der einheitlichen vorklassischen Kultur ausbrachen und eigene Wege gingen. Bevor wir uns im nächsten Kapitel den „Olmeken“ zuwenden, ist es noch notwendig, das Ende der vorklassischen Zeit und den Übergang zu einer theokratischen Gesell­schaftsform zu betrachten.

Die Kultur von Tlatilco ging zweifellos einer Dekadenz entgegen. Zwischen 500 und 300 v.d.Z. wird der Ort aus unerklärten Gründen verlassen. Vielleicht ist eine Überschwemmung des Sees die Ursache gewesen, mög­licherweise waren es auch neue Stämme, die die lebensfreudigen Leute von Tlatilco vertrieben. Der Platz jedenfalls blieb bis in unser Jahrhundert hinein unbewohnt. Die kulturellen Gewichte verlagerten sich nach Cuicuilco, Tlapacoya und später nach Ticoman.

Die älteste Pyra­mideMesoamerikas

„Die ganze Macht, welche die Religion auf die zentralamerikanischen Dorfbewohner ausübte, wird in dem mächtigen, aus Ziegeln errichteten ovalen Hügel von Cuicuilco deutlich. Am Rand der vulkanischen Hügel­kette von Ajusco, im Südwesten des Tales, wurde diese massive Terrasse, zu deren oberer Fläche eine breite Treppe hinaufführte, mit einem Durchmesser von ungefähr 12 Meter und einer Höhe von über 18 Meter auf­geführt. Die Seiten waren mit großen Steinblöcken aus dem Fluß verkleidet, um sie gegen die zerstörende Wirkung des Regens zu schützen, vielleicht aber auch, um den Eindruck schroffer Großartigkeit zu steigern“, so beschrieb Vaillant die älteste Pyramide Mesoamerikas (Abb. 9). „An Stelle eines Tempels wurde oben ein Altar errichtet, der sowohl gegen den Himmel wie für die Blicke der Anbetenden offenstand.“ Zweimal ver­größerten Menschen dieses Heiligtum, bis es etwa um 300 oder 400 v.d. Zeitwende unter der herabströmenden Lava der Vulkane Xictli oder Ajusco begraben wurde. Copilco, eine benachbarte und ältere Siedlung der Mittelkultur, fand das gleiche Ende. (Heute steht auf dem viele Quadratkilometer großen und metertiefen Lavafeld die modernste Universität Lateinamerikas.)

Tlapacoya

Ebenfalls im Süden auf der gegenüberliegenden Seite des Sees, ist erst vor kurzem die Kultstätte von Tlapacoya entdeckt und ausgegraben worden. Die ganze Anlage besteht aus mehreren quadratischen Plattformen und großzügig angelegten Treppenkompositionen. Die in Tlapacoya gefundene Keramik, in der die Stilrichtung Tlatilcos weitergeführt ist, weist häufig olmekoide Züge auf. Auch die kultische Anlage dieses Platzes steht in einem direkten Gegensatz zur archaisch-bäuerlichen Bauweise von Cuicuilco. Das könnte auf olmekische Einflüsse zurückzuführen sein; allein, die lückenlosen Beweise fehlen.

Der Übergang zur klassischen Zeit

In der Keramik, dem Hauptausdrucksmittel, das sich aus dieser Periode erhalten hat, zeigt sich, daß weder Tlapacoya noch Cuicuilco die vorklassische Zeit zu der klassischen Periode überleiten, sondern Ticoman. Dieser Fundort bestätigt die Rückkehr zu einer einfachen bäuerlichen Lebensart. Die Funde stehen im offenen Gegensatz zur dekadenten Kunst des späten Tlatilco und Tlapacoya. Ticoman kann nur eine fast plumpe und unförmige Keramik aufweisen, dennoch findet sich gerade hier erstmalig die Figur des alten Feuergottes, die sich wie ein Meilenstein durch die ganze Geschichte Mexikos bis zur spanischen Eroberung verfolgen läßt. Die Keramik zeigt und die Figur des „Alten Gottes“ beweist den Übergang zur klassischen Teotihuacan-Kultur, die sogar im Anfangsstadium anscheinend stark genug war, olmekischen Einflüssen zu widerstehen. Wären diese beiden Zentren, Ticoman und das frühe Teotihuacan, schwach gewesen, vielleicht hätte Mexikos Geschichte ein olmekisches Reich, oder zumindest eine Vereinigung von Stämmen unter olmekischer Oberhoheit gesehen, denn nur diese Kultur schien zu diesem Zeitpunkt bereits die Reife hierfür gehabt zu haben. Solange aber das gewaltige Mosaik der mexikanischen Kulturen noch unvollendet ist, muß dieser Gedankengang eine Hypothese bleiben.


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