Maya and Aztec

Ancient Mesoamerican civilizations






Uneinigkeit der indianischen Stämme fördern die schnelle Eroberung

Category: Alt-Mexico und seine Kunst

Der andere Umstand, der zur Vernichtung der blühenden indianischen Kultur beitrug, ist die geschickte Aus­nutzung der Uneinigkeit der indianischen Völker gewesen. Gleich dem souveränen Intriganten einer Shake­speare-Tragödie verstand der Edelmann aus Spanien, diese unglückliche indianische Charaktereigenschaft für seine Ziele zu nutzen. Die Feuerwaffen und die den Indianern unbekannten Pferde waren nur nebensächliche Requisiten. Hauptsächlich bediente sich Cortes einer vieltausendköpfigen Schar von indianischen Hilfstruppen, Unzufriedener von der Goldküste und aus dem souveränen Staat Tlaxcala.

Der Ballspielplatz in Chichen Itza, der sich von den übrigen Spielplätzen der klassischen Maya-Kultur durch seine toltekischen Stilelemente unterscheidet. Mischkultur der Tolteken und Maya. Etwa 10.-12. Jahrhundert

Diese Stämme waren der überfor­derten Tributverpflichtungen gegenüber den Azteken müde und zogen unbedenklich mit den „neuen Göttern“. Der Prolog zum Drama der Eroberung von Mexiko ist noch mit Federkiel und Tinte geschrieben, das Haupt­stück ist bereits mit Blut aufgezeichnet. Noch kannten beide Seiten Helden. Der Epilog aber zeigt nur noch das grausame Wüten von eingeschleppten Seuchen und unvorstellbare Greueltaten der Inquisition. Nur wenige wackere Männer, ihnen allen voran der Bischof las Casas, mit dem Beinamen „der Vater der Indios“, die gegen das Schicksal der Einheimischen aufbegehrten, standen auf beiden Seiten des Ozeans unüberwindlichen Mauern gegenüber, die ihre anklagenden Worte zurückwarfen.

Die Dezimierung der Eingeborenen nach der Erobe­rung

Wie verheerend die neuen Herren unter den Einwohnern der „Neuen Welt“ hausten, geht aus den von den westindischen Inseln gewonnenen Zahlen hervor, die hier als Vergleich herangezogen werden, da die Geschichte für die ersten zehn Jahre nach der Eroberung keine genauen Zahlen für Mexiko überliefert hat (Für Mexiko liegen nur Zahlen nach 1532 vor, die sich auf die Tributabgaben der einheimischen Bevölkerung stützen. 1532 schätzte man die Einwohner auf annähernd 16871408, 1568 auf 2649573 und 1608 auf 1069255 Indianer. (S. F. Cook and Woodrow Borah: The Indian Population of Central Mexiko 1531-1610. Berkeley; University of California Press 1960)). Haiti besaß bei der Ankunft der Spanier etwa 1100000 Einwohner, im Jahre 1510 noch 46000 und vier Jahre später küm­merliche 1000. Nicht annähernd so katastrophal waren freilich die Verluste der mexikanischen Indianer, da große Teile sich in unzugängliche Gebiete zurückzogen, und auch deshalb, weil sie als geschlossenere Stammes- Einheiten auftreten konnten. Die höchste Schätzung für Mexiko gibt eine Dezimierung der gesamten indiani­schen Bevölkerung während der ersten 60 Jahre der spanischen Kolonisation auf etwa ein Sechstel an. Das härteste Urteil über die Greueltaten seiner Landsleute, die es kaum möglich machen, Karl V. oder Ferdinand den Katholischen zu entschuldigen, – „denn die spanischen Regenten haben die Meute gekannt, die nach Über­see ging und sie dennoch ziehen lassen, nur um der kümmerlichen Prozente willen“ -, gab der erwähnte Domi­nikaner-Bischof Fray Bartolome de las Casas. (Nach ihm ist heute eine große Stadt inmitten eines reinen India­nergebietes benannt, während nicht einmal ein einziges Gäßchen im großen Mexiko den Namen Cortes trägt). „Gott hat es zugelassen, daß die Räte unserer Könige eine große und reiche Welt, zur ungeheuerlichen Schmach des Christentums, ausgeraubt und verödet haben.

Für diese Verwüstung und diese unerhörte Verminderung des Menschengeschlechts steht ihnen keinerlei Entschuldigung zur Seite; denn sie geschah nicht an einem Tag, auch nicht in zehn oder zwanzig Jahren, sondern in sechzig und mehr Jahren“, so schrieb las Casas, der seine Landsleute kannte, und in seinen Bericht bereits die Zukunft mit einbezog. Weiter klagt er an: „…während dieser Zeit gingen täglich Berichte vieler Mönche und glaubwürdiger Männer über jene Zustände ein, ohne daß etwas dagegen erfolgte. Gott hat sich dann abgewandt, und statt daß die Könige Hispaniens die reichsten und glücklichen Fürsten wären, sind sie die allerärmsten. Obgleich sie mehr als 200 Millionen Dukaten an Gold, Silber, Perlen und Edelsteinen aus Westindien gewonnen haben, so ist doch alles verschwunden, als wäre es Rauch gewe­sen. Alle diese Schätze haben ihnen nicht herausgeholfen aus ihren großen und endlosen Kriegen und Nöten“ (Fast alles Gold, das damals aus Übersee an die europäischen Kaiser- und Fürstenhöfe gelangte, wanderte in die Schmelztiegel. Mehr noch ist bereits in der „Neuen Welt“ zu Barren verschmolzen worden, da die Men­schen dieser Jahrhunderte den indianischen Kunstwerken blind gegenüberstanden.

Eine Ausnahme bildete Albrecht Dürer, der in das Tagebuch seiner niederländischen Reise folgende Zeilen schrieb: „Auch hab ich gesehen die dieng, die man dem König auss dem neuen gülden land hat gebracht: ein gancz güldene sonnen, einer ganczen klaffter braith, dessgleichen ein gancz silbern mond, auch als gross, desgleichen zwo kammern voll derselbigen rüstung, dessgleichen von allerley ihrer waffen, harnisch, geschuczm wunderbahrlich wahr, selczamer klaidung, pettgewandt und allerley wunderbarlicher ding zu maniglichem brauch, das do viel schöner an zu sehen ist dan Wunderding. Diese ding sind alle köstlich gewesen, das man sie beschäczt vmb hundert tausent gülden werth. Und ich hab aber all mein lebtag nichts gesehen, das mein hercz also erfreut hat als diese ding. Dann ich hab darin gesehen wunderliche künstliche ding und hab mich verwundert der subtilen ingenia der menschen in frembden landen. Und der Ding weiss ich nit ausszusprechen, die ich do gehabt hat.“). Das etwa war die Situation des 16. Jahrhunderts, als die europäische Kolonisation der „Neuen Welt“ ihren Anfang nahm. Sie wäre für die Europäer zweifellos weniger erfolgreich verlaufen, hätten nicht die amerikani­schen Ureinwohner, die einem historischen Irrtum zufolge als „Indianer“ bezeichnet werden, in jahrtausend­langer Entwicklung die natürlichen Hilfsquellen dieses Landes erschlossen und ihr Nahrungspotential durch eine Reihe von Nutzpflanzen gesichert, die dann der „Alten Welt“ zugute kamen.


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