Maya and Aztec

Ancient Mesoamerican civilizations






Die Steinplastik der Totonaken

Category: Alt-Mexico und seine Kunst

Die Steinplastik der Tajm-Totonaken ist überladen mit geheimen Symbolen, während die Keramik der Mystik des Hochlandes entbehrt und dagegen sogar fast kindlich wirkt. Ein eigenartiges Gepräge haben drei spezi­fische Formen, die eine weite Verbreitung fanden, deren Heimat aber mit Sicherheit an der mittleren Golfküste zu suchen ist. Diese drei totonakischen Schöpfungen sind aus hartem Stein gehauen und standen im Dienste des Totenkults. Das ,,Yugo“ (Joch), ein hufeisenförmiges Gebilde, das nur in wenigen Fällen geschlossen ist, mochte eine steinerne Nachbildung der Hüftgürtel von Ballspielern gewesen sein (Abb. 155,156). Reliefs und kleine irdene Skulpturen zeigen uns solche Kleidungsstücke, die möglicherweise aus ausgestopftem Leder bestanden und sich im feuchten Klima nicht erhalten haben.

Die steinernen Nachbildungen hatten, wie sich bei einer noch nicht weit zurückliegenden Ausgrabung der Universität von Vera Cruz bestätigte, den Zweck, die bösen Geister der Toten in die Erde zu bannen. Die Motive dieser seltsamen „Gebrauchsgegenstände“ bestätigen die Ver­bindung mit der Unterwelt: Kröten, das Symbol der Erdgöttin, Eulen, die Verkörperung der bösen Geister der Nacht, sowie Adler, die der Mythologie nach die toten Krieger zum Himmel des Sonnengottes emportrugen. Das umgebende Ornament der „Yugos“ übt fast, wie auf den großen Reliefs, die Funktion einer Schrift aus. Weder in seinen Linien noch in den Flächen zeigt es schwache Stellen. Gleichsam erzählend wie verschweigend umgeben die Symbole die eigentliche Darstellung und schmücken sie aus. Oft sind männliche Figuren auf den Jochs dargestellt, deren Haupt an der Rundung en face und an den beiden auslaufenden Enden im Profil eingeschnitten ist (Abb. 153). Die Wahl des Steines – nie ist das leicht zu verarbeitende vulkanische Gestein verwandt – und dessen sorgfältige Ausarbeitung verraten die imense kultische Wichtigkeit. Um dem sakralen Gegenstand Kraft zu verleihen, durfte der Künstler es sich nicht leicht machen.

Die „Palma“ verdankt ihren Namen der Ähnlichkeit mit einem Palmwedel. Auch hier kann es sich nur um die Nachahmung sakraler Zier- und Glückszeichen der Ballspieler handeln. Von der außergewöhnlichen Stellung des Ballspiels geben die vielen Ballspiel-Plätze, die sich in fast jeder größeren Ruinenstätte Mexikos sowie im Kulturgebiet der Maya gefunden haben, Zeugnis. Vermutlich mußte ein elastischer Kautschukball, der nur mit dem Gesäß oder der Hüfte berührt werden durfte, in das Feld des Gegners geschleudert werden. Eine Demonstration gibt der Nürnberger Zeichner Christoph Weiditz, der 1529 indianischen Ballspielern begegnete und sie in seinem „Tachtenbuch“ festhielt. „Auf Soliche manier spilen die Indianer mit ainem aufgeblasen bal mit dem hindern On die Hend an zue Rieren auf der Erdt; haben auch ain hardt leder for dem Hindern, darmit er vom bal den widerstreich Entpfacht, haben auch solich ledern hentschuch an.“ Der aufgeblasene Ball war allerdings Vollkautschuk, ein Vorläufer unseres Gummiballs. Dem Ballspiel wurde eine höchst religiöse Bedeutung beigemessen. Kosmische Vorstellungen bildeten die Grundidee dieses Kampfes. Der Platz lag im Tempelbezirk, und hohe Priester leiteten das Spiel.

Eines der Reliefs am Ballspielplatz in El Tajfn läßt klar einen mit „Yugo“ und „Palma“ bekleideten Ballspieler erkennen. Während die Darstellungen des Jochs gewöhnlich mit Symbolen versehen sind, deuten die der Palmas mehr auf eine szenische Handlung hin oder begnügen sich mit einer meisterhaften, sehr realistischen Abbildung von Tieren, die sicher eine totemistische Bedeutung für die Ballspieler hatte (Abb. 149,151). Eine in Totonacapan gefundene Palma, ein Kunstwerk durch seine Ausdruckskraft, zeigt ein in der Mitte geteiltes Haupt, das teils lebend, teils als Totenschädel dargestellt ist (Abb. 151). Die beiden Möglichkeiten der Ball­spieler, siegen oder verlieren, überleben oder geopfert werden, sind in dieser Figur eingefangen. Den Werde­gang eines solchen Ballspielers führen uns die Reliefs vom Ballspielplatz der Stadt vor Augen. Vor dem Spiel wird der Spieler von einem Priester im Adlerkleid geweiht, als Verlierer dieses göttlichen Spieles erleidet er den Opfertod (Abb. 176,177).

Die dritte typische Form, die „Hacha“ (Axt), läßt unschwer die zeremonielle Streitaxt erkennen. Sie fand die weiteste Verbreitung. Man grub „Hachas“ in der im 9. Jahrhundert verlassenen Maya-Stadt Palenque im Hoch­land von Guatemala sowie an der nördlichen Golfküste im Land der Huaxteken aus. Gegenständliche Themen und abstrahierte Motive wechseln sich ab. Ob Tierköpfe, Menschenhäupter oder Totenschädel, alle unter­werfen sich der spitz zulaufenden Form der Axt und sind mit einer unglaublichen bildhauerischen Fähigkeit geformt (Abb. 150, 157).

Die Keramik der Totonaken

Wie andernorts, so läßt sich auch an der Golfküste in der Keramik die Vergangenheit am weitesten zurück­verfolgen. Anfangs stehen neben einem häßlichen und auffallend ungekonnten Abbild weiblicher Fruchtbar­keitsgöttinnen die männlichen „Remojadas-Figuren“. Über Jahrhunderte hinweg halten sie an den stereotypen Vorbildern fest, und es ist anregend zu beobachten, wie allmählich aus der ungeformten Masse Ton eine runde und sensible Plastik wird (Abb. 158-160,163-165,178). Weder Schmuckstücke, Ketten und Ohrpflöcke noch sorg­fältig gearbeitete Frisuren fehlen bei diesen kleinen Grabbeigaben. Asphaltähnliche Gesichtsbemalungen treten schon in sehr früher Zeit auf und sind ein typisches Merkmal dieser Region (Abb. 163). Als Außenseiter finden sich in den untersten Schichten die schmollenden Kindergesichter der ,,Olmeken“ und in den oberen poly­chrome Keramiken, die sowohl in der Form wie auch im Dekor von den Mixteken beeinflußt sind. Einzigartig wirken die Figuren mit dem „cabezas sonrientes“, den „lachenden Gesichtern“, die in ihrer Erscheinung eher asiatischen Göttern gleichen als den blutdürstigen mexikanischen. Mit ihrer gütigen Ausstrahlung, ihren fröh­lichen und einladenden Gesten, heben sie sich deutlich von der übrigen theokratischen Kunst ab (Abb. 158,160).


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